Die Debatte um die umstrittene Lueger-Statue am Wiener Stubenring reißt nicht ab. Wie "Heute" berichtete, wurde das Denkmal des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger zuletzt unter Polizeischutz wieder aufgestellt. Rund 20 Beamte waren Dienstagfrüh im Einsatz. Genau daran stoßen sich nun die Wiener Grünen.
"Im aktuellen Zustand ist die Schräglage – und damit die beabsichtigte Kontextualisierung – der Lueger-Statue kaum wahrnehmbar. Deutlich sichtbar war hingegen der Polizeischutz, der dem antisemitischen Populisten bei der Wiedererrichtung gewährt wurde", kritisiert die Kultursprecherin der Grünen Wien, Ursula Berner.
Die Statue war in den vergangenen Jahren wiederholt das Ziel von Farbanschlägen geworden. Zuletzt brachen Unbekannte sogar in der Steinmetz-Werkstatt in Niederösterreich ein, wo die Bronzestatue seit Jänner restauriert wurde. Am Dienstag wurde sie in den frühen Morgenstunden ohne Ankündigung zurückgebracht. Die leichte Neigung von 3,5 Grad soll laut Stadt als kritische Kontextualisierung dienen. Kritiker halten diese Lösung seit Monaten für unzureichend.
Berner sieht darin auch ein problematisches Signal in Zeiten wachsender antisemitischer Spannungen. "Gerade angesichts des Wiedererstarkens antisemitischer Tendenzen in unterschiedlichsten Ausprägungen sendet die Wiedererrichtung der Lueger-Statue das falsche Signal", sagt sie.
Besonders scharf formuliert die Grünen-Politikerin ihre Kritik an der Rolle der Polizei: "Es ist zynisch, dass die Polizei die Errichtung dieser Figur schützt, während ein umfassendes Vermittlungs- und Bildungsprogramm weiterhin fehlt."
Die Grünen fordern deshalb weitere Maßnahmen rund um das Denkmal. "Es braucht ein attraktives, niederschwelliges und dauerhaftes Begleitprogramm, das Lueger endlich auch in seiner gesellschaftsspaltenden und demokratiegefährdenden Rolle sichtbar macht. Dringend notwendig wäre außerdem eine Umbenennung des Platzes!", so Berner.
Karl Lueger war von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Seine antisemitische Politik gilt bis heute als hochumstritten. Adolf Hitler bezeichnete ihn später als politisches Vorbild.