Die Olympiaschanze von 1994 in Lillehammer erlebt am Freitag (16.30/live ORF 1) die Weltcup-Premiere des Mixed-Teambewerbs. Dieses neue Skisprung-Format wird auch bei der WM 2013 im Val di Fiemme erstmals Teil des Programms sein.
Die Reaktionen sind durchwegs positiv: Die Damen sehen es als Aufwertung, in ihrer erst zweiten Weltcup-Saison gemeinsam mit den Herren anzutreten und diese sind durchwegs erpicht darauf, einen der zwei Plätze zu ergattern. Das ÖSV-Quartett zählt jedenfalls zum engsten Favoritenkreis. Während bei den ÖSV-Damen die Weltmeisterin Daniela Iraschko und Jacqueline Seifriedsberger aus dem Lillehammer-Sextett herausragen und ihre Plätze fix haben, nominiert Herren-Cheftrainer Alexander Pointner sein Duo erst nach dem offiziellen Training am Freitag.
Generalproben gab es im Rahmen des Sommer-Grand-Prix, die nicht in stärkster Herren-Besetzung angetretenen ÖSV-Teams erreichten dabei die Plätze drei (Courchevel) und eins (Hinterzarten). "Wir haben gut mit den Damen zusammengearbeitet und eine gemeinsame Vorbereitung absolviert", erklärte Pointner.
Abstimmungsprobleme in der Anfahrt
Iraschko hatte in der ersten Trainingseinheit in Lillehammer am Montag noch Abstimmungsprobleme in der Anfahrt, Seifriedsberger fühlte sich hingegen gleich sehr wohl. "Ich denke, dass am Freitag beide gut springen werden", sagte Damen-Coach Harald Rodlauer, der dem Mixed-Bewerb viel Positives abgewinnt. "Wir stehen dadurch mehr im Rampenlicht und es ist ein Ansporn, gemeinsam mit dem besten Herren-Team, das es gibt, unsere Leistung zu bringen."
Für Iraschko ist das Ziel für Freitag klar: "Wir sind gut aufgestellt und wollen um den Sieg mitspringen", erklärte die Wahl-Tirolerin. Nach dem zweiten Rang 2011/12 ist der Weltcup-Gesamtsieg ebenso ein Ziel wie die WM im Val di Fiemme, wo es für die Titelverteidigerin dank des Mixed-Bewerbs eine zweite Chance gibt.
"Das war der wichtigste Schritt"
Die 29-Jährige kann sich als Polizeischülerin nun voll auf den Sport konzentrieren und hat wie auch Seifriedsberger (Austrostar Immobilien) einen Kopfsponsor gefunden. Iraschko wirbt für eine heimische Kosmetikfirma (GWCosmetics), die nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Augenbrauen- und Wimpernfarben ist. Die Tür zu all dem habe die Anerkennung als olympischer Bewerb geöffnet, erklärte die Steirerin. "Das war der wichtigste Schritt." Die Winterspiele in Sotschi 2014 sind denn auch ihr größtes Ziel.
Bei der Premiere am Freitag werden Herren und Damen (mit längerem Anlauf) abwechselnd springen. "So wird das noch spannender", glaubt Iraschko. "Aber entscheiden werden die Damen und das ist gut für uns." Denn bei den Damen sei die Dichte nicht so groß, daher könnten mit einem guten Sprung viele Punkte herausgeholt werden." Beim Weltverband (FIS) sieht man den neuen Bewerb als Bereicherung. "Weil man nur zwei Athleten pro Geschlecht braucht, ist die Zahl der Nationen größer geworden. Zudem gibt es nun neue Länder, die für die Spitzenplätze infrage kommen", betonte Renndirektor Walter Hofer.
Erstmals im Maximalkontingent
Im ersten Einzelbewerb am Samstag, der alternierend mit der Herren-Konkurrenz ebenfalls auf der Normalschanze abläuft, nützt der ÖSV erstmals im Weltcup das Maximalkontingent von sechs Athletinnen aus. Weil vor wenigen Wochen der Co-Trainer ausfiel, bot das Training für Rodlauer zuletzt viele Herausforderungen. "Denn der Unterschied in der Gruppe ist doch relativ groß", gab der Steirer zu.
ÖSV-Damen-Team Lillehammer: Daniela Iraschko, Jacqueline Seifriedsberger, Katharina Keil, Cornelia Roider, Sonja Schoitsch und Chiara Hölzl