Die nächste Hitzewelle steht schon vor der Tür – und in Oberösterreichs Pflegeheimen wächst die Sorge: Eine Fachsozialbetreuerin (59) aus einem Seniorenzentrum im Bezirk Urfahr-Umgebung schildert im Gespräch mit "Heute", wie Bewohner und Personal unter den Extremtemperaturen leiden.
"Es ist grundsätzlich so, dass es bei uns in der Früh im Haus schon extrem heiß ist", erzählt die 59-Jährige. "Im oberen Stock sind wir dann schon bei 35 Grad." Während der letzten Hitzewelle sei die Arbeit zur Tortur geworden: "Du hast im Stehen geschwitzt." Für die Pflegekräfte wird jeder Handgriff zur zusätzlichen Belastung. Bewohner müssen geduscht, umgelagert und versorgt werden. "Das war wirklich ganz, ganz krass."
Abkühlung? Fast unmöglich. Was für viele die Rettung ist, kann für hochbetagte Menschen zum Problem werden: "Du kannst nicht einfach einen Ventilator einschalten. Mach das einmal neben einem 90-jährigen Menschen – das geht einfach nicht", sagt die Fachsozialbetreuerin. Viele Senioren hätten ein anderes Temperaturempfinden und seien sehr empfindlich gegenüber Zugluft.
Zudem würden sie Hitze und Kälte oft anders wahrnehmen als Jüngere. Die Pflegerin erklärt es so: "Die Heizung der älteren Menschen ist kaputt. Es geht ihnen zwar auf den Kreislauf, aber wenn sie jetzt nass sind vom Duschen, dann frieren sie." Viele bräuchten dann sogar kurz einen Heizstrahler – und das bei 35 Grad.
Besonders dramatisch: Die Hitze hält viele Bewohner regelrecht gefangen. "Die alten Leute können tagsüber das Haus praktisch nicht verlassen", sagt die Pflegerin. "Die Hitze sperrt die alten Leute eigentlich ein." Längere Spaziergänge im Freien seien bei Temperaturen um die 40 Grad für viele Hochbetagte keine Option mehr: "Das ist für die alten Leute wirklich lebensgefährlich."
Auch gesundheitlich beobachtet das Team alarmierende Entwicklungen. "Wir spüren heuer schon, dass es den Leuten wirklich schlechter geht", berichtet sie. Während der Hitzewelle habe es mehrere Todesfälle gegeben. Einen direkten Zusammenhang könne sie zwar nicht belegen, sagt aber vorsichtig: "Das kann durchaus sein, dass die Hitze den Kreislauf zum Erliegen gebracht hat. Das ist eine Vermutung."
Für die nächste Hitzewelle rüstet sich das Team bereits mit zusätzlichen Ventilatoren. Nachts wird gelüftet – so gut es eben geht. Denn wegen einer Einbruchsserie in Pflegeheimen sollen die Fenster eigentlich geschlossen bleiben. "Wir müssen schauen, dass Luft reinkommt, aber ein Einbrecher nicht so leicht hinein kann."
Erleichterung ist in Sicht – nur leider zu spät für diesen Sommer: "Meine Chefin hat nicht lockergelassen, dass wir zu einer Klimaanlage kommen", erzählt die Fachsozialbetreuerin. Dass sie trotzdem noch warten müssen, liege an Lieferproblemen. Ab Herbst soll die Klimaanlage endlich laufen – und zumindest den nächsten Hitzesommer erträglicher machen.