Sorge in Steiermarks Schulen: Pflichtschullehrer Herr F. berichtet von einer bedrohlichen Entwicklung in den Klassenzimmern. Immer häufiger komme es zu extremistischen Tendenzen, der Lehrer ortet ein strukturelles Problem.
F. berichtet von Jugendlichen, die im Geschichtsunterricht eine "Begeisterung für den Nationalsozialismus entwickeln und Hakenkreuze auf Tische schmieren". Gleichzeitig gebe es auch Fälle, in denen Schüler Mitschülern Kleidervorschriften machen oder im Ramadan anderen das Pausenbrot verbieten würden. "Egal ob Rechtsextremismus oder Islamismus – immer mehr Kinder radikalisieren sich", sagt F. in der "Kleinen Zeitung".
Auch Experten bestätigen den Trend. Laut Zahlen des Innenministeriums steigen sowohl rechtsextreme als auch islamistische Tathandlungen deutlich an. Besonders auffällig: Ein großer Teil der Tatverdächtigen ist jung.
Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes erklärt in der "Kleinen Zeitung": "Der Rechtsextremismus gibt für jedes Gefühl eine Antwort – an der eigenen Perspektivlosigkeit ist der Ausländer schuld, die eigene Ohnmacht wird von korrupten Eliten bestimmt."
Auch Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger sieht ähnliche Muster im Islamismus: einfache Antworten auf komplexe Probleme und das Versprechen von Orientierung und Halt.
Für die Experten ist klar: Besonders gefährdet sind Jugendliche ohne stabile Unterstützung im Elternhaus oder Umfeld. Fehlender Rückhalt könne den Einstieg in extremistische Ideologien begünstigen.
F. fordert daher stärkere Maßnahmen im Schulalltag. Gespräche und Workshops allein reichten nicht aus, es brauche auch Elternarbeit und klare Konsequenzen.
Schmidinger betont zudem, dass nicht jede radikale Haltung automatisch extremistisch sei. "Niemand wacht auf und ist ein Extremist", sagt er. Entwicklung verlaufe schrittweise.
Peham ergänzt: "Ein Anfang wäre zu sagen: Eine gewaltausübende Person kann keine positive Bezugsperson sein."