Eine Jugendstudie der Stadt Wien sorgt derzeit für Aufegung. Laut der Studie stimmen 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen der Aussage zu: "Für mich stehen die Vorschriften meiner Religion über den Gesetzen in Österreich". Bei christlichen Jugendlichen sind das nur 21 Prozent.
"Diese Zahlen verdeutlichen eine Spannbreite von fundamentalistisch geprägten Haltungen, die bei einem Teil der muslimischen Jugendlichen stärker verankert sind", heißt es in der Studie der Stadt Wien. Für diese wurden 1.221 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren befragt.
Bei traditionellen Rollenbildern zeigen sich ebenfalls große Unterschiede. Der Aussage "Der Mann sollte in einer Familie für alle größeren Entscheidungen zuständig sein" stimmen 18 Prozent der österreichischen Jugendlichen sowie Jugendlichen mit polnischen oder rumänischen Wurzeln zu. Bei syrischen, afghanischen und tschetschenischen Jugendlichen sind es hingegen 45 Prozent.
Fast 40 Prozent der Befragten finden, der Staat solle nach religiösen Regeln organisiert werden. Ebenso viele wünschen sich einen starken Führer. Vor allem junge Männer seien eine Risikogruppe, so die Studienautoren.
Fazit: Je größer die Rolle von Religion bei jungen Menschen, desto weniger zählen westliche Werte und Demokratie. Integrationsstadträtin und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) kündigt nun Konsequenzen an – vor allem bei Unterricht und Elternarbeit. "Diese Studie ist eine wichtige Grundlage für politische Ableitungen", sagte sie am Freitag (15.5.) in der "ZiB 2". Zwar sei "die Mehrheit der Jugendlichen demokratisch gefestigt", gleichzeitig gebe es aber "Risikokonstellationen".
Emmerling kündigt deshalb konkrete Maßnahmen an: "Diese Studie hat doch einige Einblicke gegeben, wo wir als Nächstes ansetzen müssen. Das ist für mich ein gemeinsamer Ethik- und Demokratieunterricht, aber auch ein Mehr an Elternarbeit, ein Einbinden und Verpflichten der Elternarbeit."
In den öffentlichen Pflichtschulen in Wien stellen muslimische Kinder mittlerweile die größte Gruppe dar. Laut aktuellen Zahlen sind 42 Prozent der Schüler islamischen Glaubens. 32 Prozent sind christlich, 23 Prozent ohne Bekenntnis. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Mittelschulen. Dort stellen Muslime mit 49,4 Prozent fast schon die absolute Mehrheit.