Die neue Integrationsstudie der Stadt Wien sorgt weiter für heftige Diskussionen. Im Fokus standen Religion, Demokratie und gesellschaftliche Werte.
Besonders auffällig sind die Antworten muslimischer Jugendlicher zum Thema Kopftuch. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten findet, dass Musliminnen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen sollten. Die Studienautoren sprechen dabei von starkem sozialem und religiösem Druck innerhalb der Communitys.
Brisant: Ab dem kommenden Schuljahr (konkret ab 1. September 2026) gilt ein striktes Kopftuchverbot in Schulen für Mädchen bis 14 Jahren.
Befragt wurden für die Studie 1.200 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren (darunter Österreicher, Türken, Bosnier, Syrer, Afghanen und Tschetschenen).
Generell spielt Religion bei muslimischen Jugendlichen laut Studie eine deutlich größere Rolle als bei anderen Gruppen. Etwa 70 Prozent bezeichnen sich selbst als religiös. Ein Drittel gibt an, in den vergangenen Jahren sogar religiöser geworden zu sein.
Brisant ist auch ein anderer Wert: 46 Prozent der muslimischen Jugendlichen sagen, man müsse bereit sein, "für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben". Unter christlichen Jugendlichen vertreten 24 Prozent diese Ansicht.
65 Prozent der muslimischen Befragten erklären außerdem, islamische Vorschriften würden für alle Bereiche des Alltags gelten und müssten streng eingehalten werden. 36 Prozent finden sogar, dass sich alle Menschen an religiöse Regeln halten sollten.
Auch die Haltung zu Staat und Demokratie sorgt für Diskussionen. 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen stimmen der Aussage zu, dass die Regeln ihrer Religion wichtiger seien als die Gesetze in Österreich. Unter christlichen Jugendlichen liegt dieser Wert bei 21 Prozent.
Vor allem bei Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien zeigen sich laut Studie konservative Ansichten zu Rollenbildern. Fast die Hälfte meint, Männer sollten wichtige Entscheidungen treffen. Jeder Vierte möchte keine Frau als Chef.
Studienleiter Kenan Güngör warnt jedoch vor einfachen Erklärungen. Neben Religion würden auch soziale Ausgrenzung, geringe Bildung, autoritäre Erziehung und radikale Inhalte im Internet eine wichtige Rolle spielen.