Nach dem schockierenden Femizid an der Mittelschule in Taufkirchen an der Pram (Bez. Schärding) laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Am Montag sollen die Leichen der getöteten Lehrerin und ihres Kollegen – dem mutmaßlichen Täter – obduziert werden. Gleichzeitig berieten Behörden und Experten darüber, wie der Schulbetrieb nach der Tragödie weitergehen soll.
Die Bluttat erschüttert weiterhin ganz OÖ: Eine 28-jährige Lehrerin wurde am Freitag in den frühen Nachmittagsstunden in der Schule getötet. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand der Polizei steht ein 29-jähriger Lehrerkollege im Verdacht, die Frau mit einem Dolch sowie einer legal besessenen Schusswaffe getötet zu haben.
Die Waffenbesitzkarte hatte der mutmaßliche Täter erst im Frühjahr beantragt und erhalten, erklärt Staatsanwalt Alois Ebner gegenüber dem ORF. Nach der Tat verließ der Mann die Schule und wurde später im Gemeindegebiet von Freinberg tot in seinem Fahrzeug gefunden. Nach aktuellem Ermittlungsstand gehen die Behörden von einem Suizid aus.
Suizidgedanken? Hol dir Hilfe – es gibt sie
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – außer Suizide oder Suizidversuche erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn du unter Selbstmord-Gedanken oder Depressionen leidest, dann kontaktiere die Telefonseelsorge unter der Nummer 142, täglich 0-24 Uhr.
Kriseninterventionszentrum: 01/4069595
Die Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis hat die Obduktionen der beiden Verstorbenen angeordnet – diese sollen am Montag in Salzburg stattfinden. Zudem laufen die Ermittlungen des Landeskriminalamtes weiter. Derzeit werden Spuren ausgewertet und Zeugen befragt.
Nach bisherigen Ermittlungen dürfte laut Polizei ein "persönlicher Beziehungskonflikt" hinter der Bluttat stehen. Derzeit wird geprüft, ob unerwiderte Gefühle des 29-jährigen Lehrers für seine Kollegin Auslöser der Tat waren. Zudem wird ermittelt, ob die Tatsache, dass die 28-Jährige eine andere Beziehung eingegangen war, bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnte.
Um die Krisenversorgung in Oberösterreich flächendeckend und noch umfassender gewährleisten zu können, haben sich pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und Notfallseelsorge unter dem Namen Krisenhilfe OÖ zusammengeschlossen.
Neben dem ständig verfügbaren Krisentelefon bietet die Krisenhilfe OÖ in psychosozialen Notsituationen auch Online- und Chatberatung, persönliche Gespräche und mobile Einsätze, etwa in Form von Hausbesuchen.
Die Krisenhilfe OÖ unterstützt in allen psychischen Notsituationen – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0732 / 21 77.
Alle Infos unter krisenhilfeooe.at.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat wurden Kriseninterventionsmaßnahmen eingeleitet. Die Krisenhilfe OÖ führte bereits am Freitagabend eine Erstintervention durch. Am Sonntag fand dazu ein Abstimmungsgespräch zwischen Vertretern der Krisenhilfe, der betroffenen Schule, der Gemeinde sowie der Bildungsdirektion statt. Es stand im Raum, dass die Mittelschule oder zumindest Teile des Schulzentrums am Montag geschlossen bleiben.
"Der Montag steht im Zeichen des Ankommens, des Austauschs und der gemeinsamen Verarbeitung des Geschehenen", hieß es dann am Nachmittag in einem Statement der Bildungsdirektion nach dem Krisengipfel. Im Mittelpunkt stünden Gespräche in den Klassen mit den Klassenvorständen und den Krisenteams. "Ab Dienstag erfolgt eine schrittweise Rückkehr in den Unterricht."
Der wird kommende Woche aber in reduziertem Umfang bis 11.30 Uhr stattfinden, so das Statement. Während der gesamten Woche steht außerdem psychosoziale Unterstützung Schüler, Lehrkräfte und Eltern zur Verfügung. Zum Abschluss der Woche gibt es einen Trauergottesdienst. Und: "Die Bibliothek, die Schauplatz des tragischen Ereignisses war, wird im Sommer baulich umgestaltet und künftig nicht mehr als Bibliothek genutzt werden."