73 Stimmen dafür, keine einzige dagegen: Für die Schulkonferenz einer Kärntner Schule war Mitte April die Grenze erreicht. Sie beantragte laut "Kleine Zeitung" den Ausschluss eines 17-jährigen Schülers. Ende April folgte die Bildungsdirektion diesem Antrag. Der Jugendliche wehrte sich gemeinsam mit seinem Erziehungsberechtigten dagegen vor dem Bundesverwaltungsgericht - ohne Erfolg.
Das BVwG hat die Beschwerde als "unbegründet abgewiesen". Das mittlerweile veröffentlichte Erkenntnis zeichnet auf acht Seiten nach, welche Vorfälle dem Ausschluss vorausgegangen waren.
Besonders schwer wiegt eine Aussage, die der 17-jährige Jugendliche laut Bericht der Tageszeitung zu Jahresbeginn über eine Lehrerin getätigt haben soll. Sie zeige zu viel Dominanz und "gehöre abgefüllt und richtig vergewaltigt".
Die dokumentierten Vorfälle reichen mehrere Jahre zurück. Bereits im Schuljahr 2021/2022 soll der damals 13 beziehungsweise 14 Jahre alte Bursche eine Lehrperson beschimpft und mit Polizei und Anwalt gedroht haben.
Im darauffolgenden Schuljahr kamen laut Erkenntnis neun Klassenbucheintragungen dazu. Als Gründe werden unter anderem sexistische Ausdrucksweise, Störungen des Unterrichts und unerlaubtes Entfernen aus dem Unterricht genannt. Eine Lehrperson soll er als "Idiotin" bezeichnet und einer weiteren den Mittelfinger gezeigt haben, berichtet die "Kleine Zeitung".
Im Dezember 2022 soll der Jugendliche Lehrpersonen außerdem als "menschenunwürdig" und "Viecha" bezeichnet haben.
Schließlich wurde er "vom Besuch seiner damaligen Schule (eine Mittelschule, Anmerkung der Redaktion) wegen Gewalttätigkeit gegenüber Mitschülern und schwerer beleidigender Ausdrucksweise gegenüber Lehrpersonen suspendiert", heißt es weiter.
Doch auch in den Schuljahren 2023/2024 und 2024/2025 wurden weitere Vorfälle dokumentiert. Das Gericht nennt etwa "wiederholte rassistische Äußerungen, Beschimpfen und Belästigen von Mitschülerinnen (Hose runterziehen usw.)".
Auch soll der Schüler seine Mitschüler in "Höherwertige und Minderwertige, wobei nur erstere einen Platz im zukünftigen Österreich des Schülers haben sollten" eingeteilt haben, berichtet die "Kleine Zeitung".
Im Wintersemester 2023/2024 kamen acht weitere Klassenbucheintragungen hinzu. Dabei ging es vor allem um die Nichtteilnahme am Unterricht und wiederholte Störungen. Mitschüler soll der Jugendliche unter anderem mit "Ihr gehört abgeschoben!" beschimpft haben.
Eine besonders drastische Aussage ist für Dezember 2024 dokumentiert. Der damals 16-Jährige soll über einen Lehrer gesagt haben: "Ich weiß, wo Professor (Name wird nicht genannt) wohnt. Ich werde ihn, seine Frau und seine Kinder umbringen. Dann werde ich die Leichen schänden und verbrennen", wird er in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Damit endete die Liste der Vorfälle nicht. Bis März 2026 kamen laut Gericht mindestens 26 weitere Klassenbucheintragungen hinzu. Als Gründe werden vor allem "Nichtteilnahme am Unterricht und Stören des Unterrichts sowie Bedrohen von Lehrpersonen" angeführt.
Mitschüler mit Migrationshintergrund soll der 17-Jährige laut "Kleine Zeitung" zudem "rassistisch beleidigt und bedroht" haben. Gegenüber Mädchen fielen laut Erkenntnis Aussagen wie "Die gehört vergewaltigt", "Du Frau hast nichts zu sagen" und "Sei leise, du Hure".
Zudem soll der Jugendliche einer Mitschülerin Nachrichten mit sexuellem Inhalt geschickt und sie aufgefordert haben, ihm Bilder intimer Körperteile zu schicken.
Die jahrelangen Vorfälle hatten laut Gericht deutliche Auswirkungen auf die Klasse. Zahlreiche Mitschüler, vor allem Mädchen, hätten angegeben, Angst vor dem 17-Jährigen zu haben und sich in seiner Gegenwart unwohl zu fühlen. Sie hätten sich gewünscht, nicht länger mit ihm dieselbe Klasse besuchen zu müssen, heißt es in dem Bericht.
Der Ausschluss blieb schließlich bestehen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung der Schulbehörde und wies die Beschwerde dagegen als "unbegründet" ab.