Wenn eine Titanenwurz anfängt zu blühen, zeigt sich ein Schauspiel, das in der Pflanzenwelt seinesgleichen sucht. Zuerst schiebt sich ein blasser Kolben aus der Erde und erreicht oft eine Höhe von rund drei Metern oder sogar mehr. Ein riesiges Blatt entfaltet sich und legt einen blutroten Mantel um den Kolben.
Der intensive Geruch von verwesendem Fleisch verbreitet sich in der Luft, weshalb die Pflanze auch als Leichenblume bezeichnet wird. Rund 36 Stunden später ist das Spektakel bereits wieder vorbei. Es können sieben Jahre oder mehr vergehen, bis es wieder so weit ist.
Wie spektrum.de berichtet, haben Forscher nun die ungewöhnliche Evolutionsgeschichte der Titanenwurz untersucht. Die Pflanze hat sich im Lauf der Evolution so entwickelt, dass sie wie verrottendes Fleisch aussieht und riecht - und damit für Fliegen, Käfer und andere aasfressende Insekten attraktiv wird.
Die Titanenwurz besteht hauptsächlich aus einer riesigen Knolle unter der Erde, die Energie speichert und über 100 Kilogramm schwer werden kann. Oberirdisch wächst ein einziges enormes Blatt, das manchmal über fünf Meter hoch wird und einem kleinen Baum ähnelt.
Erst wenn die Knolle etwa 20 Kilogramm erreicht hat und die Pflanze oft schon zehn oder mehr Jahre alt ist, kann sie blühen. Statt eines Blatts bildet sie dann einen spektakulären Blütenstand.
Um möglichst viele Bestäuber anzulocken, produziert die Titanenwurz Wärme. Sie wandelt die in der Knolle gespeicherte Stärke in Zucker um und transportiert diesen in den Kolben. Die erwärmte Luft trägt den Geruch nach oben und verteilt ihn so besser in der Umgebung.
Die eigentlichen Blüten der Pflanze sind übrigens winzig und sitzen ganz unten am Kolben. Nur der Blütenstand selbst hat sich zu gigantischen Ausmaßen entwickelt - ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Evolution funktioniert.