Tierische Plagegeister

Heuer werden hier acht Millionen Mücken ausgesetzt

Graz setzt heuer auf millionenfach sterile Mücken und neue Technik, um die Ausbreitung der Tigermücke einzudämmen.
Heute Tierisch
18.03.2026, 11:15
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Bereits im Sommer des Vorjahres wurden rund 600.000 männliche Tigermücken im Labor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit Röntgenstrahlen unfruchtbar gemacht und dann in einem Testgebiet in Graz freigelassen.

Das Ziel: Die Weibchen sollen sich mit den sterilen Männchen paaren, damit keine Nachkommen schlüpfen – und genau das hat auch funktioniert. Mit dieser sogenannten SIT-Methode (Sterile-Insekten-Technik) konnte die Zahl der Mücken im Testgebiet tatsächlich gesenkt werden.

Zehnmal mehr sterile Männchen

Schon im Jänner wurde angekündigt, dass der Versuch heuer ausgeweitet wird. Am Dienstag haben Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) sowie Eva Winter und Erwin Wieser vom Gesundheitsamt Graz die Details dazu vorgestellt.

Seit 2021, als die erste Tigermücke in Graz gesichtet wurde, hat sich die Stadt zum Hotspot in Österreich entwickelt. "Die Tigermücke ist gekommen, um zu bleiben. Die Veränderung der klimatischen Verhältnisse hat dazu geführt, dass sie sich bei uns sehr wohl fühlt", sagt Winter.

Heuer sollen etwa zehnmal so viele sterile Tigermückenmännchen wie im Vorjahr in Graz ausgesetzt werden – das wären sechs bis acht Millionen Tiere. Besonders betroffen sind einige Stadtteile im Süden von Graz. Auch heuer verlässt man sich bei der Auswahl der Gebiete wieder auf das Fachwissen der IAEA.

„Die Männchen stechen nicht und die sterilisierten Tigermücken sind nicht verstrahlt“
Robert KrotzerGesundheitsamt Graz (KPÖ)

Wieser erklärt: "Außerdem ziehen wir die Daten von Mosquito Alert heran, wo ja jeder die Sichtung einer Tigermücke online einmelden kann." Im Laufe des Sommers will man flexibel auf die Entwicklung reagieren und die Mücken bestmöglich einsetzen. Für den Ankauf stehen heuer etwa 150.000 Euro zur Verfügung.

Kanaldeckel werden geschlossen!

Doch das ist noch nicht alles: Neben der SIT-Methode probiert Graz heuer noch etwas Neues aus. Gemeinsam mit der Uni Kopenhagen wird bei 50 Kanaldeckeln in zwei Straßenzügen das "ZikaSeal-System" eingebaut. Das verschließt die Kanalschächte, wo die Tigermücken gern ihre Eier ablegen. Bei Regen öffnet sich der Verschluss automatisch und das Wasser kann abfließen. Sollte sich das System bewähren, könnte es künftig eine andere, sehr aufwendige Maßnahme ablösen.

Biologischer Sprüh-Kampf!

Noch setzt man aber weiterhin darauf, dass ein Mitarbeiter der Holding Graz im Sommer tausende Kilometer unterwegs ist, um in besonders betroffenen Gebieten das Larvizid BTI in die Gullys zu sprühen. Diese Gullys sind für die Tigermücken besonders attraktiv für die Eiablage, wie Wieser erklärt. Neu ist auch, dass heuer Testschulen und Kindergärten mit professionellen Fallen ausgestattet werden, um die Mücken vor Ort zu reduzieren.

"Open House" erforderlich

Ganz ohne die Mithilfe der Grazer Bevölkerung geht es aber nicht. Auch wenn das auf den ersten Blick unspektakulär klingt, ist es laut Experten weiterhin eine der wirksamsten Maßnahmen. "Die Bereitschaft zur offenen Gartentür ist für uns besonders wichtig", betont Wieser. Er besucht mit Kollegen laufend Häuser und Gärten, um mögliche Brutstätten zu finden und zu beseitigen. Tipps zur Vorbeugung haben die Fachleute immer dabei – aber nicht überall stoßen sie dabei auf offene Türen, wie sie bedauernd erzählen.

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