Lieber "Hebel umlegen, um dritte Welle zu stoppen"

Statt sich Gedanken über weitere Öffnungen zu machen, solle man lieber überlegen, wie man die dritte Welle "anhalten oder reduzieren" kann, warnt ein Virologe. 
Statt sich Gedanken über weitere Öffnungen zu machen, solle man lieber überlegen, wie man die dritte Welle "anhalten oder reduzieren" kann, warnt ein Virologe. Picturedesk
Der Virologe Andreas Bergthaler sprach über die Maßnahmen für Schwaz. Auch stellte er eine Prognose für die weitere Corona-Entwicklung im Land.

Wie die Bundesregierung und die Tiroler Landesregierung am Mittwoch bekanntgaben, soll der besonders stark von der südafrikanischen Coronavirus-Mutation betroffene Tiroler Bezirk Schwaz komplett durchgeimpft werden. In Zusammenarbeit mit der EU, Bund und Land ist es gelungen, 100.000 zusätzliche Impfdosen von Biontech/Pifzer zur Verfügung zu stellen. Man müsse diese Mutation "auslöschen, möglichst auf null reduzieren", so Bundeskanzler Sebastian Kurz. (Mehr dazu hier >>)

Dazu äußerte sich am Mittwoch Virologe Andreas Bergthaler in einem Puls24-Interview mit René Ach. Grundsätzlich sei die Impfkampagne eine gute Idee. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und der Bundesregierung biete einen entsprechenden Rahmen dafür. Derzeit ist der Bezirk Schwaz am meisten von der südafrikanischen Mutation betroffen. Ist es aber nicht unfair, den Bezirk anderen Regionen beim Impfen nun "vorzuziehen"? Diese wollte Ach von dem Virologen wissen. Jener meinte, dass man entsprechend der Situation auch reagieren müsse. Es mache "Sinn, auf neue Situationen einzugehen".

"Man öffnet damit Pandoras Box"

Gegen die Südafrika-Mutation ist beispielsweise der AstraZeneca-Impfstoff weniger wirksam. Daher müsse man jene Virusvariante auch genau im Auge behalten. Dies sollte aber "immer im Rahmen einer europäischen und nationalen Perspektive" geschehen. 

"Man öffnet damit aber natürlich auch Pandoras Box. Viele Leute werden Argumente finden, warum sie lieber diesen Impfstoff oder den Impfstoff bekommen möchten - und den möglichst rasch." Da müsse man sehr vorsichtig sein, warnt der Virologe. 

Cluster mit Impfung überhaupt bekämpfbar?

Mit der Einschätzung, das Virus so auslöschen zu können, wäre Bergthaler allerdings vorsichtig. Angesichts der Tatsache, dass Tirol vermutlich schon seit Ende Dezember mit der südafrikanischen Variante zu kämpfen hat, könne man jene nicht so einfach "auslöschen".

 "Die Problematik der Südafrika-Mutation ist in Tirol daher noch nicht ausgestanden."

Ma müsse sich also die Frage stellen, wie sehr man einen seit zwei Monaten existierenden Cluster denn überhaupt mit einer Impfung in den Griff bekommen könne, so der Virologe. 

Die Ausreisetests, die die Regierung ebenso ankündigte, kämen laut Bergthaler "spät, aber doch". Sie seien eine wichtige Maßnahme, um die Lage besser in den Griff zu bekommen - "aber sie ist wohl um mehrere Wochen zu spät gekommen". 

Dritte Welle "anhalten oder reduzieren"

Abschließend äußerte sich der Virologe auch zu den beschlossenen Lockerungen. Er stehe angesichts der Entwicklung der letzten Wochen nicht hinter jener Entscheidung. Sehr viele Kennzahlen deuten zudem darauf hin, dass die Situation sich "weiter zuspitzen wird". Daher sei es falsch, über weitere Öffnungsschritte nachzudenken, wo man sich doch eher darüber Gedanken machen sollte, "welche Hebel man jetzt noch umlegen sollte, um diese dritte Welle - die auf uns wahrscheinlich zukommt - möglichst anzuhalten oder in irgendeiner Form zu reduzieren"

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