Experte sagt, warum Maskenpflicht in Öffis nun sinnlos ist

Epidemiologe Gerald Gartlehner sieht in der Maskenpflicht in den Öffis eine zu isolierte Maßnahme.
Epidemiologe Gerald Gartlehner sieht in der Maskenpflicht in den Öffis eine zu isolierte Maßnahme.apa/picturedesk ("Heute"-Montage)
Obwohl die Corona-Zahlen sinken, hält Wien weiterhin an der Maskenpflicht in den Öffis fest. Epidemiologe Gerald Gartlehner sieht darin wenig Nutzen.

Sehr zur Überraschung der Experten befinden sich die Corona-Zahlen im Dauersinkflug und die letzten Maßnahmen – mit Ausnahme der Maskenpflicht in Spitälern, Pflegeheimen und Apotheken – wurden schon vor langer Zeit aufgehoben. Außer in Wien. In der Bundeshauptstadt gilt die FFP2-Maskenpflicht weiterhin auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Verordnung, die erst vor Kurzem erneut verlängert wurde.

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Laut Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sei dies notwendig und sinnvoll. Ganz anders sieht dies jedoch der Corona-Experte Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems.

Isolierte Maßnahme

"Masken sind grundsätzlich ein gutes Mittel, um sich selbst zu schützen. Eine Maskenpflicht in den Öffis wird derzeit aber relativ wenig Auswirkung auf das Infektionsgeschehen haben, weil die Maskenpflicht einfach zu isoliert ist", erklärt der Epidemiologe auf "Heute"-Nachfrage. Die derzeit zirkulierenden Omikron-Varianten seien hochinfektiös, würden sich die Leute nicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln anstecken, dann eben woanders.

Außerdem seien die Öffis gar kein typischer Ort für Ausbreitung des Virus. "Die meisten Personen halten sich doch nur kurz in den öffentlichen Verkehrsmitteln auf. Laut Clusteranalysen passieren die meisten Infektionen zuhause im privaten Bereich, bei Veranstaltungen oder in der Freizeit", so Gartlehner.

Fehlende Verhältnismäßigkeit

Abgesehen davon seien die Spitäler derzeit nicht wirklich mit Covid-Patienten belastet. "Für eine Maskenpflicht fehlt deshalb derzeit wahrscheinlich auch etwas die Verhältnismäßigkeit", stellt der Experte fest.

Eine Maskenpflicht mache erst dann tatsächlich Sinn, wenn wieder eine Überbelastung der Spitäler drohe. "Aber dann sollte es nicht eine isolierte Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln sein, sondern eine breitere Maskenpflicht für Innenräume. Es braucht immer ein Bündel an Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen zu dämpfen."

Wann die Maske für den Selbstschutz Sinn macht

Dennoch weist der Corona-Experte noch einmal mit Nachdruck darauf hin, dass "Masken grundsätzlich ein gutes Mittel sind,  um sich selbst zu schützen, auch wenn keine Pflicht besteht. Man sollte die Maske immer dann tragen, wenn viele Personen in Innenräumen zusammenkommen. Nicht nur in den Öffis."

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