Lob und Kritik für Alaba von Europameister Ziege

Europameister Christian Ziege trainiert in Saalfelden. Der Deutsche lobt im "Heute"-Talk den heimischen Kick und kritisiert Alaba und Arnautovic.
Er ist der größte Star, den Österreichs Fußball derzeit hat: Christian Ziege! Der 47-jährige Deutsche wurde 1996 Europameister, kickte bei Europas Topklubs, holte UEFA-Pokal, Meistertitel, Cup – jetzt ist er Trainer beim Salzburger Regionalligaklub FC Pinzgau Saalfelden. Warum, sagt er im "Heute"-Talk.

"Heute": Herr Ziege, früher hießen Ihre Gegner Juventus, Manchester United oder Dortmund, jetzt Anif, Wörgl oder Seekirchen – wie kam es dazu?

Christian Ziege: "Es hat sich ergeben. Ich habe vor einiger Zeit meinen Wohnsitz nach Saalfelden verlegt, mein Sohn spielt dort, dann kam das Angebot. Der Verein hat in den letzten fünf Jahren gegen den Abstieg gespielt, will sich jetzt weiter nach oben orientieren. Da etwas zu entwickeln, macht mir wahnsinnig viel Spaß."

Sie hatten große Trainer: Beckenbauer, Rehhagel, Heynckes, Capello, Houllier – wer hat Sie geprägt?

"Alle! Ich habe von jedem etwas mitgenommen, auch von denen, mit denen ich nicht konnte. Mit Houllier war es nicht einfach. Aber jeder war auf seine Art herausragend."

Als Spieler hatten Sie bei den Bayern auch Andi Herzog als Kollegen. Wie war es, als er gegen Stuttgart von Goalie Kahn durchgeschüttelt wurde?

"Ich weiß, worum es ging, Oli wollte das Maximum: den Erfolg! Er wollte das Spiel gewinnen, wurde emotional. Und im Sport ist es doch so: Die Verrücktesten sind oft die Erfolgreichsten."

CommentCreated with Sketch.0 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Bei Stuttgart spielte damals Franco Foda. Jetzt ist er ÖFB-Teamchef. Wie sehen Sie die Nationalelf?

"Positiv! Es gibt unglaublich gute Fußballer in Österreich, unglaublich viel Talent. Das hat auch die U21 bei der EM gezeigt. Aber: Talent alleine reicht nicht, es braucht auch Mentalität. Die Leidenschaft, mit der gegen große Nationen gespielt wird, fehlt oft gegen kleinere. Österreich müsste sein gutes Gesicht immer zeigen."

ÖFB-Topstar ist David Alaba. Wie Sie früher spielt er links außen. Ist er Weltklasse?

"Ich bin ein Fan von ihm, er ist ein Top-Mann, hat alle Voraussetzungen. Doch auch hier ein Aber: Es gab Phasen, wo er nicht an sein höchstes Level herankam. Warum nicht? Vielleicht, weil er im Erfolg die Zügel etwas schleifen ließ. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich habe 72 Länderspiele, es müssten aber weit über 100 sein. Als ich mit 18 aus einfachen Verhältnissen von Berlin nach München kam, war das eine neue Welt. Geld, Anzug, Krawatte – kannte ich nicht. Meine Einstellung hat gelitten. Diese Saison ist für Alaba ganz entscheidend: Er ist kein Junger mehr, sondern muss den Sprung zum absoluten Führungsspieler machen. Das Potenzial dazu hat er."

Marko Arnautovic wechselte des Geldes wegen nach China. Legitim?

"Jein! Wenn einer seine Interessen über die der Mannschaft stellt, dann ist er kein Teamplayer. Es erinnert mich ein bisschen an Ibrahimovic, ohne ihn ist Schweden auch besser. Und Arnautovic: Er hat viel Talent, aber, wie gesagt, es braucht mehr als das."

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