Knallhart-Lockdown für alle? Nun spricht Star-Virologin

Virologin Monika Redlberger-Fritz sieht bei einem Lockdown vor allem eine Schwierigkeit: Die Bevölkerung zieht nach zwei Jahren nicht mehr mit.
Virologin Monika Redlberger-Fritz sieht bei einem Lockdown vor allem eine Schwierigkeit: Die Bevölkerung zieht nach zwei Jahren nicht mehr mit.ROLAND SCHLAGER / APA / Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Die Infektionszahlen in Österreich explodieren. Warum ein kompletter Lockdown jetzt dennoch keinen Sinn macht, verrät Virologin Redlberger-Fritz.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt und steigt. Aktuell liegt die 7-Tagesinzidenz in Österreich sogar bei 635,1. Das ist der höchste Wert seit Pandemiebeginn. Generellen Lockdown gibt es aktuell dennoch keinen. Lediglich eine 2G-Regel wurde über das Land verhängt. Doch wäre ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens, wie wir es aus der Vergangenheit kennen, nicht sinnvoller?

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Zur Erinnerung: Ein Lockdown bedeutet, die Schulen bleiben geschlossen, ebenso alle nicht lebensnotwendige Geschäfte sowie Lokale und auch auf körpernahe Dienstleister muss während einer Ausgangssperre verzichtet werden.

Lockdown als effizienteste Maßnahme

"Aus virologischer Sicht ist ein Lockdown die effizienteste Maßnahme, um eine Welle schnell und massiv runterzubrechen", sagt Monika Redlberger-Fritz, Virologin der MedUni Wien und Mitglied des Nationalen Impfgremiums.

"Es wird sich keiner mehr an einen Lockdown halten."

Für sinnvoll halte sie einen generellen Lockdown dennoch nicht, aus einem ganz bestimmten Grund: "Es wird sich keiner mehr daran halten. Das hat man schon beim letzten Lockdown gesehen, der mehr schlecht als recht war." Bei regionalen, massiven Ausbrüchen rät sie im "Worst case"-Szenario allerdings zumindest zu lokalen Lockdowns.

Ob ein solcher nur für Ungeimpfte gelten sollte, sei in erster Linie eine Sache der Kontrollierbarkeit –und genau darin sieht die Virologin schon jetzt das Problem.

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Hochwirksames Medikament

Daher führe kein Weg an der Impfung vorbei. Immerhin handle es sich um eine hochwirksames Medikament, das die Infektion zu 70 Prozent verhindere. Das sehe man auch daran, dass "erst seit Mai geimpft wird, aber bereits über 13.000 Spitalsaufenhalte und über 4.000 Todesfälle verhindert werden konnten." Zahlen, die aus einer Rechnung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hervorgehen.

Impfdurchbrüche werde es natürlich dennoch immer wieder geben, vor allem dann, wenn die Impfrate steige. "Das ist eine statistische Tatsache", erklärt Redlberger-Fritz. Doch eine Schutzrate von 70 Prozent bedeute, dass "sich von 100 geimpften Personen 70 bei einem Superspreader-Event nicht infizieren werden. Von 100 nicht geimpften Menschen werden sich hingegen 99 Prozent anstecken und das Virus mit Sicherheit weitergeben. Ungeimpfte sind die Treiber der Pandemie, denn Geimpfte sind wiederum um 70 Prozent weniger ansteckend."

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