Wiener Gastronomie droht jetzt ein Massensterben

Trübe Aussichten: Wiener Gastronomen sind enttäuscht über die Entscheidungen des Corona-Gipfels am Montag.
Trübe Aussichten: Wiener Gastronomen sind enttäuscht über die Entscheidungen des Corona-Gipfels am Montag.Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Die Fachvertreter der Wiener Gastronomie schlagen Alarm. Sie kritisieren die Gastro-Maßnahmen der Bundesregierung scharf und warnen vor den Folgen. 

Der Corona-Gipfel am Montag hat für die Gastronomie nicht die gewünschte Öffnungs-Perspektive gebracht. Entsprechend ernüchtert und enttäuscht fielen die Reaktionen aus der Branche aus. Die Wirtschaftskammer Österreich bezeichnete die Verlängerung des Gastro-Lockdowns als "enttäuschend und frustrierend". Präsident Harald Mahrer sprach von einem "unbefriedigenden" Umstand. 

Die Branchenkollegen aus der Wirtschaftskammer Wien sind ebenfalls wenig begeistert über den Status Quo. "Hotellerie, Gastronomie und Kaffeehäuser sind noch immer geschlossen, die Chance ab Monatsende die Gastgärten öffnen zu können, ist nur für einen Teil der Betriebe ein - sehr kleiner – Lichtblick. Für die Branchenvertreter der Wiener Gastlichkeit, Dominic Schmid (Fachgruppenobmann der Hotellerie), Wolfgang Binder (Obmann der Kaffeehäuser) und Peter Dobcak (Gastronomie-Obmann) sind die gestern Abend verlautbarten Perspektiven erschütternd:

Für die Hotels gebe es keinerlei Öffnungs-Aussichten, Gastronomie und Kaffeehäuser könnten nur teilweise öffnen und das zu unklaren Rahmenbedingungen, heißt es in einer Aussendung. "Wien droht nun der Verlust eines wichtigen Teils seiner Identität: Die Wiener Gastlichkeit steht auch langfristig vor dem Aus", heißt es dort weiter.

Jedes dritte Hotel vor dem Aus?

Vor allem die Dauer des Gasto- und Hotellerie-Shutdowns dürfte nun dramatische Konsequenzen haben. Viele Betriebe seien seit vergangenem März geschlossen, die kurze Öffnungsphase im Sommer hätte zu keiner Entspannung beigetragen.

"Dass jetzt nicht einmal mehr erwähnt wird, wann die Hotels wieder öffnen dürfen, nimmt uns die letzte Hoffnung." - Dominic Schmid 

Schmid sieht viele Wiener Hotels schon jetzt vor dem Aus: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass ein Drittel der Hotels nicht mehr aufsperren werden können. Und dass damit auch ein Drittel der Touristen langfristig nicht mehr kommen wird, weil es keine Betten für sie gibt".

Ein ähnlich düsteres Bild zeichnet auch Kaffeehäuser-Vertreter Binder: "Der Großteil der Kaffeehäuser hat gar keinen oder nur einen kleinen Gastgarten – da ist es schlicht unmöglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Wir haben konkrete Vorschläge gemacht, wie wir sicher für Gäste und Mitarbeiter öffnen können und wurden einmal mehr nicht gehört – dabei hätten wir auch einen wichtigen Beitrag geleistet, die Testmoral in der Bevölkerung weiter zu steigern".

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Keine klaren Regeln

Für Gastro-Obmann Dobcak sind die nun vorgestellten Öffnungsschritte nicht nur schwer umzusetzen, sondern auch zu vage: "Wir wissen nicht wann und wie lange wir die Gastgärten öffnen dürfen und für wieviele Gäste. Dazu kommt dann noch der Einfluss des Wetters, das eine Öffnung natürlich auch verhindern kann – so ist es für uns unmöglich zu planen. Wenn das Wetter nicht mitspielt, entstehen hohe Kosten durch das Hochfahren der Betriebe, denen dann keinerlei Einnahmen gegenüber stehen. Will die Regierung, dass die Gastronomie überlebt, müssen schnell umfangreiche und anhaltende Hilfen angeboten werden", fordert er eine Ausweitung der bisherigen Förderungen.

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