Fassungslosigkeit, Trauer und vor allem die Frage nach dem Warum: In Kumberg versuchen die Menschen zu begreifen, was sich am Montagabend in einem Wohnhaus nahe dem Ortszentrum abgespielt hat. Ein 37-jähriger Familienvater soll seine achtjährige Tochter mit einem Küchenmesser tödlich verletzt haben.
Viele Bewohner der rund 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde östlich von Graz erfuhren erst aus den Medien von der Bluttat.
Kurz vor 23 Uhr ging bei der Rotkreuz-Landesleitstelle ein Notruf aus dem Wohnhaus ein. Ein Familienmitglied meldete laut "Kleine Zeitung" aufgeregt, dass der 37-Jährige seine Tochter attackiere. Daraufhin wurde auch die Polizei verständigt.
Die ersten Beamten fanden den Vater im Badezimmer. Er hatte Schnittverletzungen an den Armen. Laut den bisherigen Erkenntnissen soll er nach der Attacke auf seine Tochter versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen.
Das achtjährige Mädchen befand sich in einem anderen Zimmer und hatte zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen erlitten. Ein Notarztteam versorgte das Kind und brachte es in die Kinderchirurgie des LKH-Uniklinikums. Dort starb die Achtjährige wenig später.
Der 37-Jährige wurde zunächst ambulant behandelt und danach ins Polizeianhaltezentrum gebracht. Als mutmaßliche Tatwaffe stellten die Ermittler ein Küchenmesser sicher. Eine Befragung des Tatverdächtigen war zunächst aufgrund seines Zustands nicht möglich.
Während der Tat befanden sich auch die Mutter des Kindes und dessen siebenjährige Schwester im Haus. Ob und wie viel sie von den Ereignissen mitbekamen, ist noch nicht geklärt.
Das Wohnhaus hatten zwei Zwillingsbrüder vor rund zehn Jahren gekauft und anschließend mit ihren Familien saniert. Zuletzt lebten dort neun Menschen gemeinsam: vier Erwachsene und fünf Kinder.
Neben der Familie des Tatverdächtigen wohnt dort auch jene seines Bruders, der drei kleine Töchter hat. Die Angehörigen werden nach den dramatischen Ereignissen von einem Kriseninterventionsteam psychologisch betreut.
Im Ort sucht man unterdessen nach Erklärungen. "Wir sind alle in Schockstarre", beschreibt Vizebürgermeisterin Alexandra Pirker die Stimmung gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Hinweise auf ein mögliches Motiv gibt es bisher nicht. Pirker will sich deshalb auch nicht an Spekulationen beteiligen.
Die Familie sei vielen Menschen in Kumberg zumindest vom Sehen bekannt gewesen. "Ja, sie haben einen etwas eigenen Lebensstil", sagt die Vizebürgermeisterin der "Kleinen Zeitung". Die Familienmitglieder seien häufig in Lederhosen, mit Hut und barfuß unterwegs gewesen. Die Kinder seien beim Einkaufen mitunter in einem Leiterwagerl mitgefahren.
Abseits davon sei die Familie im Ort keineswegs abgeschottet gewesen. "Sie haben aktiv am Dorfleben teilgenommen. Erst unlängst waren sie bei einem Fest und haben mitgetanzt", erzählt Pirker gegenüber der Tageszeitung.
Auch Nachbar Adolf Mondschein hatte regelmäßig Kontakt zu den beiden Brüdern. "Das sind g'miatliche Leut", beschreibt er sie in der "Kleinen Zeitung". Noch eine Woche zuvor habe er mit der Familie gesprochen, als diese gemeinsam mit dem Auto unterwegs gewesen sei, um die Sonnenfinsternis zu beobachten.
Als in der Nacht plötzlich zahlreiche Polizeifahrzeuge auftauchten, wusste er zunächst nicht, was passiert war. "Ich hätte so etwas keinem der beiden Brüder zugetraut", sagt er gegenüber der "Kleinen Zeitung". Auch eine weitere Bewohnerin findet kaum Worte für die Tragödie: "Was diese Familie jetzt durchmachen muss... Mir tun alle so leid."