Österreichs Ski-Nation steht unter Druck!
Während die Schweiz seit Jahren den Weltcup dominiert, läuft der ÖSV seiner früheren Vormachtstellung hinterher. Jetzt meldet sich die rot-weiß-rote Ski-Legende Hermann Maier zu Wort.
Der zweifache Olympiasieger und vierfache Gesamtweltcupsieger erklärt, warum Österreich nicht mehr die Nummer eins ist und weshalb sich das Problem nicht so einfach lösen lässt.
Im Interview mit "Eurosport" zeichnet der 53-Jährige ein nachdenkliches Bild von der Zukunft des heimischen Skisports. Besonders die Entwicklung beim Nachwuchs bereitet dem einstigen "Herminator" Sorgen.
"Ich glaube, dass es heute viele Dinge gibt, die angenehmer sind, als seine gesamte Zeit dem Skisport zu widmen", sagt Maier.
Der Aufwand für junge Talente und deren Familien sei enorm. Dabei gehe es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Zeit, die Kinder und Eltern investieren müssen.
"Ich bin überzeugt, dass nicht mehr jeder bereit ist, diesen Aufwand mitzumachen. Dadurch wird die Nachwuchsbasis kleiner", erklärt der Salzburger.
"Früher hatte man einen riesigen Topf und konnte diejenigen herausfiltern, die sich durchgesetzt haben. Bei den anderen hat man gesagt: 'Wir haben ja genug. Das funktioniert heute nicht mehr.'"
"Deshalb muss man sich viel intensiver um den Nachwuchs kümmern", fordert Maier.
Seine Warnung ist deutlich: Wenn die Basis kleiner wird, sinkt auch die Leistungsdichte. Die Folgen zeigen sich früher oder später im Weltcup.
Ganz anders sieht die Situation derzeit in der Schweiz aus. Marco Odermatt hat sich zum Maßstab im alpinen Skisport entwickelt. Maier, der selbst jahrelang den Weltcup dominierte, zeigt sich vom Schweizer beeindruckt.
"Natürlich seine Konstanz. In verschiedenen Disziplinen ganz vorne zu sein, zeichnet einen Siegfahrer aus", erklärt der ÖSV-Star von einst.
Besonders Odermatts Ehrgeiz und Mut in den Speedbewerben imponieren ihm. Im Super-G sei der Schweizer immer wieder bereit, an seine Grenzen zu gehen.
Auch den Zusammenhalt innerhalb des Schweizer Teams hebt Maier hervor. Die gute Stimmung und das kameradschaftliche Verhältnis seien auffällig.
Eine weitere Fahrerin hat es Maier besonders angetan: Deutschlands Allround-Talent Emma Aicher.
"Das ist sehr beeindruckend. Sie ist noch jung und vor allem sehr unbekümmert", schwärmt der ehemalige Weltcup-Dominator.
Vor allem ihre Freude am Skifahren sieht Maier als großen Vorteil. Diese Leichtigkeit müsse sie sich möglichst lange bewahren.
Denn mit zunehmendem Erfolg wachse auch der Druck. Entscheidend sei, dass Aicher weiterhin dazulerne, ohne ihre Unbekümmertheit zu verlieren.
Auch für US-Superstar Lindsey Vonn findet der Salzburger lobende Worte. Dass die Amerikanerin nach ihrem ursprünglichen Karriereende noch einmal zurückkehrte, habe ihr kaum jemand zugetraut.
"Lindsey Vonn ist ein Aushängeschild für den Skisport und speziell für die schnellen Disziplinen", sagt Maier.
Sie stehe für Beständigkeit und die Fähigkeit, sich nach schweren Rückschlägen und Verletzungen immer wieder zurückzukämpfen. Besonders beeindruckt ihn, dass Vonn ihre Begeisterung für den Sport nicht verloren habe.
Kritisch sieht Maier dagegen den Einfluss sozialer Medien auf die heutige Sportgeneration.
"Durch Social Media gelangt heute jede Kleinigkeit an die Öffentlichkeit. Gleichzeitig gibt man selbst unglaublich viel von sich preis", erklärt der 53-Jährige.
Sein Rat: "Manchmal ist weniger eben mehr."
Warum er selbst auf sozialen Plattformen nicht vertreten ist? Darauf hat der frühere Ski-Superstar eine trockene Antwort parat: "Ich habe nichts Interessantes zu berichten."