Stefan Maierhofer hat genug. Der Ex-Rapidler, mit den Hütteldorfern 2008 Meister (bis heute der letzte Titel des Klubs), spart nach dem Derby-Skandal nicht mit Kritik. Im ORF-Interview fordert der 43-Jährige ein hartes Vorgehen gegen Problemfans.
"Rapid muss endlich rigoros durchgreifen. Der Klub geht vor den eigenen Fans seit Langem in die Knie. So wird sich nie etwas ändern. Dabei sind es nur ein paar Unbelehrbare, die allen anderen schaden."
Maierhofer, einst 31 Tore in 49 Pflichtspielen für Rapid, fällt ein deutliches Urteil: "Der Verein bekommt die Probleme mit den Fans nicht in den Griff. Es sind nicht viele, die für Ärger sorgen. Vielleicht eine Handvoll, maximal 100. Die muss man für immer aus dem Stadion verbannen. Wie in England."
Besonders die Szenen bei der 0:2-Derbyniederlage gegen die Austria machen ihn fassungslos. "Ich bin selbst Familienvater. Es darf nicht sein, dass Feuerwerkskörper in den Familiensektor geschossen werden. Das hat mit Fußball überhaupt nichts zu tun. Das möchte niemand sehen." Für Maierhofer ist klar: Solche Ausschreitungen seien untragbar. Vor allem, wenn sie immer wieder beim Wiener Derby passieren. "In Linz, Salzburg und Graz gibt es das nicht. Wenn die Fans unzufrieden sind, dann sollen sie zum Training kommen und protestieren."
Die von der Bundesliga verhängten Sanktionen hält Maierhofer nur bedingt für abschreckend. Rapid muss nach dem Urteil des Strafsenats bei drei Heimspielen gegen Topgegner (Austria, Salzburg, Sturm oder LASK) die Fansektoren hinter den beiden Toren sperren, ein alternativer Heimfansektor ist untersagt. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von 100.000 Euro ausgesprochen. Außerdem sind für die kommenden drei Jahre keine Gästefans bei Wiener Derbys in der Generali Arena zugelassen – diese Sanktion hatten sich die Hütteldorfer bereits vor dem Senats-Urteil selbst auferlegt.
Für Maierhofer geht das nicht weit genug: "Das tut Rapid nicht so weh. Was wirklich schmerzt, sind Geisterspiele. Keine Zuschauer im Stadion, VIP-Club zu, null Einnahmen – dann erledigt sich diese Problematik ganz schnell von selbst."
Er verweist auch auf die wirtschaftliche Dimension. "Das summiert sich. Rapid hat mittlerweile Hunderttausende Euro an Strafen gezahlt. Andererseits wird um Spenden für das Frauen-Team gebeten, wie ich gehört habe."
Rapid startete nach dem Stadionbau 2024 ein zweites Crowdinvesting-Projekt: "InvesTor 2.0", das Motto "Zusammen grün-weiße Zukunft gestalten". Das Ziel? "Weitere Verbesserungen in der Nachwuchsarbeit", "Frauen- und Mädchenfußball", der "Erhalt und Ausbau der Infrastruktur".
Der frühere Teamstürmer warnt vor den Folgen auf dem Platz. "Wenn du immer mit dem Löschen von Brandherden beschäftigt bist, kostet das Substanz und wirkt sich in vielerlei Hinsicht negativ aus." Die "Störfeuer" von den Rängen würden Rapid sportlich massiv bremsen.
Dabei ortet Maierhofer sogar eine Chance im Titelrennen: "Rapid hat eine Titelchance, so kurios das klingt. Die Mannschaft spielt grottenschlecht und ist immer noch dabei. Das sagt alles." Seine Prognose fällt dennoch ernüchternd aus: "Ich fürchte allerdings, dass es noch zehn oder mehr Jahre dauern wird, bis Rapid nach 2008 wieder Meister wird. Falls sich nichts ändert."