Der dreiste Blitzcoup im Museum für angewandte Kunst (MAK) sorgt auch Tage später für Aufsehen. Zwei Männer hatten während der Öffnungszeiten ein wertvolles Diamantcollier aus der Ausstellung "Glanzstücke" geraubt. Nun ordnet die Leiterin der Kulturgutfahndung im Bundeskriminalamt den Fall ein.
Wie der ORF berichtet, sei der Coup "wohl der größte und spektakulärste Kunstdiebstahl seit dem 'Saliera'-Fall 2003". "Wenn ein Museum während der Öffnungszeiten betroffen ist, dann ist das schon eine andere Dimension", erklärte Anita Gach.
Der spektakuläre Raub ereignete sich vergangenen Donnerstag. Zwei mit einem Hammer und einer Pistole ausgestattete Männer sollen innerhalb weniger Minuten zugeschlagen und das wertvolle Schmuckstück an sich gebracht haben. Die Wiener Polizei ermittelt wegen räuberischen Diebstahls.
Bei der Beute handelt es sich um ein 1939 vom Pariser Luxusjuwelier Van Cleef & Arpels gefertigtes Diamantcollier im Art-déco-Stil. Das Schmuckstück war Teil der Ausstellung "Glanzstücke" im MAK.
Für die Kulturgutfahndung erinnert die Dimension des Falls an einen der berühmtesten Kunstdiebstähle Österreichs: Im Mai 2003 wurde die "Saliera", das weltberühmte goldene Salzfass von Benvenuto Cellini, aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien gestohlen. Erst Jahre später konnte das Kunstwerk wieder sichergestellt werden.
Bei der Suche nach gestohlenen Kunstgegenständen durchforsten die Spezialisten des Bundeskriminalamts täglich Onlinekataloge von Auktionshäusern, Kunstshops und einschlägige Portale. Auch Datenbanken von Interpol und Europol werden kontrolliert.
Auf Künstliche Intelligenz setzen die Fahnder dabei allerdings kaum. "Da ist halt das menschliche Auge noch immer um einen Tick besser", so Gach. Gerade bei KI-generierten Ergebnissen müsse man vorsichtig sein: "Da muss man halt schon sehr aufpassen, dass keine falschen Infos herauskommen." Ein gutes "visuelles Gespür" sei daher für die Mitarbeiter der Kulturgutfahndung unerlässlich.
Etwa jeden dritten Tag landet ein neuer Fall bei der Kulturgutfahndung. Im vergangenen Jahr wurden österreichweit 105 Diebstähle von Kunst- oder Kulturgütern angezeigt. Langfristig seien die Zahlen leicht rückläufig. Vor allem Diebstähle von Statuen aus Kirchen, die Anfang der 2000er-Jahre häufig vorkamen, seien seltener geworden.
Die Aufklärungsquote liegt laut Gach allerdings nur bei rund 20 Prozent. Und selbst wenn gestohlene Kunstwerke wieder auftauchen, können bis zur Rückgabe Jahrzehnte vergehen. So konnten erst im vergangenen Jahr zwei Statuen in ein italienisches Dorf zurückgebracht werden – 56 Jahre nach ihrem Diebstahl. Eine 2024 in Österreich gestohlene Zeichnung von Egon Schiele wartet hingegen weiterhin auf ihre Rückgabe.