Seit dem Wochenende sind die englischen Zeitungen voll mit Insiderberichten, dass Stürmerstar Wayne Rooney seinen Verein Manchester United verlassen will. Nun erfolgte die Bestätigung durch Trainer Alex Ferguson. Er verstehe zwar nicht warum, aber der 24-Jährige will definitiv weg.
Nachdem es in der Liga alles andere als rund für Manchester United läuft (drei Siege, fünf Unentschieden), steht nun eine Hiobsbotschaft an. Stürmerstar Wayne Rooney, der im Vorjahr die Saison fast im Alleingang gerettet hatte, will seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht verlängern und den Verein verlassen.
Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt. "Wir können nicht ganz verstehen, wieso er einen Klub verlassen will, der zweifelsohne einer der erfolgreichsten im britischen Fußball ist. Seit er zum Klub gekommen ist, haben wir ihn immer unterstützt. Wir haben ihm bei seinem Privatleben und anderen Angelegenheiten geholfen", erklärte Trainer Alex Ferguson in einer Pressekonferenz. Er betonte, dass die Tür weiter offen stehe und schloss somit ein Verbleiben Rooneys aus Sicht des Vereins nicht aus.
Spekulationen über Hintergründe
In den englischen Medien dreht sich dafür das Karussell der Spekulationen auf Höchstgeschwindigkeit. Es gibt Berichte, wonach sich Ferguson und Rooney zerstritten haben sollen, was aber angesichts der obigen Aussagen des Schotten unwahrscheinlich ist. Denn in der Vergangenheit war Sir Alex eiskalt, wenn er mit Superstars ein persönliches Problem hatte: In Windeseile verkaufte er etwa David Beckham, Roy Keane, Paul Ince, Jaap Stam und Ruud van Nistelrooy.
Möglicherweise will Rooney auch ein sinkendes Schiff verlassen: Denn Manchester United hat trotz Rekordgewinnen fast 800 Millionen Euro Schulden, welche die neuen amerikanischen Eigentümer zur Finanzierung des Kaufs dem Verein aufgebürdet haben. In neue Stars wurde nicht investiert, obwohl Real Madrid alleine für Cristiano Ronaldo die Weltrekordsumme 94 Millionen Euro überwiesen hat. Dabei hat es ManU dringend notwendig, Altstars wie Edwin van der Sar, Ryan Giggs und Paul Scholes adäquat zu ersetzen.
Anderen Berichten zu Folge hat Rooney einfach die britische Medienlandschaft satt. Nachdem aufgeflogen war, dass er regelmäßig Prostituierte besucht hatte, während seine Frau schwanger war, stand er im Kreuzfeuer harscher Kritik. Da es in Großbritannien ohnehin kaum Gesetze zum Schutz der Privatsphäre gibt, könnten ihm die seit Jahren anhaltenden Eingriffe in sein Privatleben (und das anderer Stars) einfach zu viel geworden sein - er will sich lieber im Ausland auf das Fußballspielen konzentrieren.
Quo vadis, Rooney?
Da ManU Rooney allerdings einen neuen Vertrag über kolportierte 170.000 Euro pro Woche bieten wollte, gibt es nicht viele Klubs, welche derartige Summen stemmen könnten. Real Madrid hat laut Generaldirektor Jorge Valdano keinen Bedarf, was jedoch nur Verhandlungstaktik sein könnte. Denn Rooney hatte ja bereits eine höchst erfolgreiche Sturm-Partnerschaft mit Cristiano Ronaldo, und Alex Ferguson versuchte bereits 2009 vergeblich Karim Benzema zu verpflichten. Dieser ging lieber zu Real, ist dort spielerisch jedoch nie angekommen und könnte somit Teil eines Deals werden.
Der FC Barcelona könnte Rooney zwar brauchen, kämpft derzeit aber selber mit Schulden. Auch Inter Mailand könnte einen weiteren Stürmer vertragen, will aber angesichts der bald in Kraft tretenden finanziellen Beschränkungen der UEFA sparen. Der AC Milan ist zwar Experte im Anheuern von Stars, hat aber bereits jetzt ein Überangebot im Sturm. Zu guter Letzt bleibt noch der neureiche Stadtrivale von ManU. Denn bei Manchester City spielt Geld keine Rolle - allerdings wäre Rooney bei einem derartigen Wechsel noch stärker in der Schusslinie von Medien und Fans.
Jörg Michner