Traumhaftes Wetter,grandiose Stimmung - und 400.000 Menschen in den Straßen von Wien, die das Lauf-Spektakel live verfolgten! Die 29.054 Starter beim 26.Vienna City Marathon verwandelten am Sonntag die Wiener City in die Lauf-Metropole Europas.Heute war dabei,als persönliche Rekorde purzelten und insgesamt 321 Athleten von 230 Sanitätern medizinisch versorgt werden mussten.
Es ist ein Traum, noch einmal hier im Ziel zu stehen, strahlte Franz König. Der 83-jährige Wiener absolvierte 33 Marathons, vor vier Jahre erlitt er einen Schlaganfall. Heute ist sein Gesichtsfeld stark eingeschränkt.Früher trank ich immer bei Kilometer 35 ein kleines Bier, erzählt er,jetzt bin ich einfach nur froh, den Halbmarathon geschafft zu haben. Franz König ist ein Held dieses Rennes - einer von vielen!
Punkt neun Uhr nahmen 6458 Athleten die Marathon- Distanz in Angriff, 5003 kamen ins Ziel - als letzter, nach 6:34:01 Stunden, Charley Wately-Smith (GB). Für 1355 Athleten waren die 40.000 Schritte ins Ziel einfach zu viel. Rennarzt Christian Gäbler: Das lag auch an den sommerlichen Temperaturen. Unsere 230 Sanitäter mussten 321 Mal intervenieren. 17 Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht, darunter ein 81-jähriger Zuschauer mit Verdacht auf Herzinfarkt. Die meisten Läufer, die behandelt wurden, hatten Kreislaufprobleme. Positiv: Bei den Junior-Rennen waren fast 5000 Kids dabei. Der Halbmarathon ist mit 8984 Startern die Lieblingsdistanz beim Vienna City Marathon.
Rekord! Mayr siegt im Sekunden-Krimi
Da fielen viele Experten aus allen Wolken: Kirwa lief als Marathon- Newcomer gleich auf Anhieb zur drittbesten Zeit, die je in der Donaumetropole gemessen wurde. In einem extrem flotten Rennen blieben mit ihm, Dereje Debele Tulo (2., Äth), Joseph Maregu (3., Ken) und Degefa Abebe Negewo (4., Äth) die ersten vier erstmals unter der 2:10:00-Marke. Ich bin überglücklich, in Wien lächeln alle Menschen - und ich mit ihnen, strahlte der neue Sieger.
Bei den rot-weiß-roten Athleten überstrahlte aber Andrea Mayr alle anderen. Die Welserin raste nicht nur als schnellste Dame des Feldes durchs Ziel (damit gewann erstmals seit 1987 eine Österreicherin), sondern verbesserte mit der Zeit von 2:30:43 auch die bisherige Bestmarke von Eva Maria Gradwohl (2:30:51) um knappe acht Sekunden. Dieser Rekord war Maßarbeit, strahlte die Ärztin. Drei Kilometer vor dem Ziel hatte ich den Rekord abgeschrieben, doch dann haben die Fans mich förmlich auf den Heldenplatz getragen. Allerdings war die 29-Jährige durch einen kürzlich diagnostizierten Stressbruch und eine gerissene Sehne im linken Bein gehandicapt.
Frust pur für Günther Weidlinger: Der 31-jährige Oberösterreicher verpasste mit der Zeit von 2:12:39 den Austro-Rekord (2:12:22) nur um 17 Sekunden. Auf den letzten Kilometern brach ich voll ein. Ich hätte keine 100 Meter mehr weiter laufen können, schnaufte der enttäuschte Weidlinger.
Von Martin Huber