Die Sommer werden heißer – und damit wächst auch der Bedarf an wirksamem Sonnenschutz. Die Stadt Wien will deshalb den Einbau von Rollläden, Außenjalousien und Markisen fördern. Gleichzeitig soll aber das typische Wiener Stadtbild erhalten bleiben. Ein neuer Leitfaden zeigt nun, wie beides gelingen soll.
Außenliegender Sonnenschutz gilt als besonders effektiv: Er hält die Sonnenstrahlen bereits vor dem Fenster ab, verhindert ein starkes Aufheizen der Innenräume und kann so auch den Energieverbrauch für Klimageräte senken.
Vor allem bei historischen Gebäuden ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt. "Die Anpassung an den Klimawandel ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Gerade bei historischen Gebäuden müssen wir dabei besonders sensibel vorgehen. Mit einer sorgfältigen Planung können wir beides erreichen: mehr Schutz vor Hitze und ein attraktives, harmonisches Stadtbild", so Franz Kobermaier, Leiter der Magistratsabteilung Architektur und Stadtgestaltung (MA 19).
Die Stadt hat deshalb den Leitfaden "Sonnenschutz und Stadtbild" erstellt. Darin wird erklärt, welche Sonnenschutzsysteme sich für unterschiedliche Gebäude eignen und worauf bei Farbe, Größe und Anordnung geachtet werden sollte.
"Es gibt nicht die eine Lösung für alle Gebäude. Entscheidend ist, den Sonnenschutz auf die Architektur und die konkrete bauliche Situation abzustimmen. Gerade bei historischen Fassaden kann die Orientierung an bewährten, traditionellen Formen ein guter Ausgangspunkt sein", erklärt Irene Lundström, Leiterin des Fachbereichs Stadtbildbegutachtung in der MA 19.
Besonders an Straßenseiten empfiehlt die Stadt ein einheitliches Erscheinungsbild. Unterschiedliche Farben oder verschiedene Sonnenschutzsysteme an derselben Fassade könnten das Gesamtbild stören.
"Guter Sonnenschutz muss nicht auffallen – er kann sich vielmehr selbstverständlich in die Architektur einfügen. Besonders bei bestehenden Gebäuden lohnt es sich, die Gestaltung der Fassade als Ganzes zu betrachten und Sonnenschutzlösungen entsprechend abzustimmen", so Lundström weiter.
In Schutzzonen und bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten strengere Vorgaben. Wer dort nachträglich einen außenliegenden Sonnenschutz anbringen möchte, muss dies bei der Baupolizei (MA 37) anzeigen. Ziel sei es laut Stadt, moderne Maßnahmen gegen Hitze mit dem Erhalt des historischen Stadtbildes zu verbinden.
Als gelungene Beispiele nennt die Stadt unter anderem Gebäude in der Mariahilfer Straße, der Rathausstraße, der Nordbahnstraße sowie der Porzellangasse. Dort seien Markisen oder Rollläden so in die Fassaden integriert worden, dass sie kaum auffallen oder die Architektur sogar unterstreichen. Die Stadt Wien betont außerdem, dass Sonnenschutz am besten gemeinsam mit einer guten Dämmung und nächtlichem Lüften gedacht werden sollte. Die Kombination dieser Maßnahmen könne Gebäude auch bei künftig steigenden Temperaturen deutlich kühler halten.