Nach dem Triumphzug der letzten vier Rennen will sich Sebastian Vettel beim Grand Prix von Indien in Greater Noida zum Weltmeister krönen. Einerseits muss der Deutsche nicht viel Risiko eingehen, denn Verfolger Fernando Alonso hat den Titel schon längst abgeschrieben, außerdem reicht Vettel schon ein fünfter Platz. Andererseits könnte er bis Saisonende noch mehrere Rekorde brechen.
hat den Titel schon längst abgeschrieben, außerdem reicht Vettel schon ein fünfter Platz. Andererseits könnte er bis Saisonende noch mehrere Rekorde brechen.
In Indien hat bisher kein anderer Pilot als Vettel gewonnen. "Bisher ist es für uns in Indien immer perfekt gelaufen", erinnerte der Red-Bull-Star an seine Siege 2011 und 2012 - jeweils aus der Pole Position. "Der Siegerpokal ist sehr schön. Es wäre großartig, ihn dieses Jahr wieder in Händen zu halten."
Es wäre sein sechster GP-Triumph in Serie - zuletzt gewann er den . Das haben vor ihm in mehr als 60 Jahren Formel 1 erst drei Piloten geschafft. Sollte Vettel alle vier ausständigen Rennen gewinnen, würde er die Rekordsaison von Michael Schumacher 2004 einstellen. Sein Landsmann hatte bei seinem siebenten und letzten WM-Titel 13 Grand Prix für sich entschieden. Mehr sind in einem Jahr noch keinem Piloten gelungen.
Mit Siegen in Indien, Abu Dhabi, den USA und Brasilien würde Vettel außerdem einen neuen Punkterekord in der Königsklasse markieren. Die von ihm selbst stammende Bestmarke aus der Saison 2011 steht bei 392 Punkten, derzeit hält der Red-Bull-Pilot bei 297. 100 Zähler sind noch zu vergeben.
Vettel, der erfolgreiche "Asien-Tourist"
Seit der Sommerpause hat Vettel kein einziges Rennen verloren. Der Ausnahmekönner dominierte in Belgien, Italien, Singapur und Südkorea. Zuletzt in Japan musste er mit taktischem Geschick etwas härter für den Erfolg kämpfen. Für Rennen in Asien ist Vettel aber Spezialist. 21-mal hat der WM-Leader dort bereits triumphiert, der Buddh International Circuit 50 km südöstlich von New Delhi liegt im besonders. "Ich mag die Strecke", sagte Vettel. "Und das Land ist jedes Mal sehr, sehr beeindruckend, wenn wir hierherkommen."
Österreichs Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger sieht die starken Leistungen nicht als Momentaufnahme: "Das ist nicht nur derzeit, es geht um die letzten drei Jahre. Es ist das Paket aus dem Red-Bull-Team, Designer Adrian Newey und Sebastian Vettel. Sebastian hat sich entwickelt. Er ist jetzt ganz klar der beste Fahrer der Formel 1."
Auch Vettels Konkurrenz konzentriert sich ob der Überform des Deutschen längst auf die Folgejahre. In diesen gibt es durch ein völlig überarbeitetes Reglement die Chance, Red Bulls Siegeszug zu beenden. Doch auch deren Technikchef Adrian Newey war zuletzt nicht mehr bei den Rennen anzutreffen. Der Brite tüftelt stattdessen bereits am Auto für die kommende Saison. Bei Vettel macht sich Newey diesbezüglich keine Sorgen: "Er hat ein exzellentes Technikverständnis."
Berger: "Alonso fängt zu nerverln an"
Berger sieht Alonso derzeit eindeutig im Nachteil, nicht nur aufgrund des Punkterückstands: "Früher habe ich Vettel immer hinter Alonso gereiht. Alonso ist derzeit aber zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Dadurch ist er instabil geworden. Fahrerisch holt er für Ferrari immer noch die Kohlen aus dem Feuer, da ist er absolut top. Durch seine Aussagen sorgt er aber für Wirbel. Er bringt immer wieder Unruhe hinein, dadurch ist er nicht mit der Weiterentwicklung des Autos beschäftigt. Das drückt für mich Unsicherheit aus, er fängt zu nerverln an. Alonso läuft die Zeit davon. Während er mit sich selbst beschäftigt ist, holt Vettel einen Titel nach dem anderen."
Auch Team-Triumph bereits in Indien möglich
Dank der Seriensiege des Deutschen darf sich Red Bull demnächst auch in der Konstrukteurs-WM zum vierten Mal hintereinander gratulieren lassen. 148 Punkte liegt der österreichisch-englische Rennstall vor Ferrari, 158 vor Mercedes. Teamchef Christian Horner geht davon aus, dass sich die WM "von selbst regeln" wird. Pro Rennen sind für ein Team maximal 43 Zähler zu holen. Verlassen die Bullen Indien mit 129 Punkten Vorsprung, ist die wichtige Trophäe bereits eingefahren.
Dahinter kämpfen Ferrari, Mercedes und Lotus in der Team-WM um Platz zwei, der nicht nur Prestige, sondern vor allem Geld bringt. "Die letzten Rennen haben gezeigt, dass uns ein harter Kampf erwartet", meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Wir haben aber auch gesehen, dass wir die nötige Performance besitzen, um unser Ziel zu erreichen." Zumindest im Qualifying gelten Lewis Hamilton und Nico Rosberg als erste Herausforderer von Vettel und dessen Teamkollegen Mark Webber.
Im Rennen waren es zuletzt die Lotus von Romain Grosjean und Kimi Räikkönen. Ferrari hatte mit einigen Problemen zu kämpfen. "Wir müssen uns für die ausständigen Rennen verbessern", forderte daher Topingenieur James Allison. Alonso stand in Indien bisher immer auf dem Podest. Kommt der Spanier am Sonntag nicht über Platz drei hinaus, wäre Vettel sogar ohne eigenes Zutun Weltmeister. Dem Stil des Serienchampions würde das allerdings nicht entsprechen.
Indien-Zukunft ungewiss
Für einige Zeit könnte es allerdings das letzte Gastspiel der Königsklasse auf dem Subkontinent sein. Indien scheint kommendes Jahr nicht im WM-Kalender auf. Hauptgrund dürfte neben fehlendem Zuspruch der Fans vor allem die Steuerproblematik sein. Das 1,2-Milliarden-Einwohner-Land sieht keinen Grund mehr, den PS-Zirkus bei Abgaben bevorzugt zu behandeln. Eine Rückkehr 2015 ist nicht ausgeschlossen, sie müsste laut F1-Boss Bernie Ecclestone aber im Frühjahr stattfinden.