Matthäus: "Rapid muss in 10 Jahren zwei Titel holen"

Lothar Matthäus mit Andi Herzog bei Rapid im Jahr 2002
Lothar Matthäus mit Andi Herzog bei Rapid im Jahr 2002Bild: Christian Hofer
Lothar Matthäus im zweiten Teil des "Heute"-Interviews über seine Zeit in Hütteldorf, Peter Stöger und das ÖFB-Team.

Weltmeister und Weltfußballer Lothar Matthäus im großen "Heute"-Interview! In Teil eins sprach der 58-Jährige Deutsche über Österreichs Legionäre in der Bundesliga– jetzt nimmt er Ex-Klub Rapid, die Austria mit Peter Stöger und ÖFB-Teamchef Franco Foda genau unter die Lupe.

"Heute": Herr Matthäus, Ihre erste Trainerstation führte Sie 2001 nach Hütteldorf, zu Rapid. Nach nicht ganz einer Saison war schon wieder Schluss. Woran ist es in Wien gescheitert?

Lothar Matthäus: "Ich habe für Rapid alles gegeben. Aber nicht Rapid, sondern eigentlich die Bank Austria war mein Arbeitgeber. Ich durfte erfahrene Spieler nicht aufstellen, weil sie zu viel Auflaufprämie kassierten. Dann wird Andreas Herzog geholt. Ich hatte nichts gegen Andi, aber das hat nicht zu unserem Weg mit jungen Spielern wie einem Andi Ivanschitz gepasst. Es waren sehr schwierige Voraussetzungen, viel zu viele politische Entscheidungen. Nichts war harmonisch, weil nicht mit offenen Karten gespielt wurde. Eigentlich war es ein Problem zwischen mir und Rudi Edlinger."

Was war mit Rudi Edlinger?

"Ich habe Edlinger sechs Mal in meinem Leben getroffen. Immer wenn wir verloren haben, rief er mich an und meinte: 'Morgen müssen wir Kaffeetrinken gehen und reden.' Nach Siegen hat er sich nie bei mir gemeldet."

Sie haben Steffen Hofmann geholt. Er prägte zwei Jahrzehnte das Gesicht des Vereins, wurde zum Rekordspieler. Muss Rapid Ihnen dafür dankbar sein?

"Ich selbst bin dankbar, dass es für Steffen und auch für Rapid so gekommen ist, dass es so geklappt hat."

Rapid das Meister-Playoff verpasst, auch jetzt in Runde eins gleich wieder klar gegen Salzburg verloren. Ihr Eindruck?

"Rapid müsste viel näher dran sein, sehr viel näher. Das neue Stadion, die Finanzkraft: Ganz anders als früher, da gab es einen Sponsor. Rapid müsste weiter sein, die klare zweite Kraft in Österreich – mit großem Abstand zu Austria, zu Sturm, zu allen anderen. Lassen sie es mich so sagen: In zehn Jahren müsste Salzburg sieben Mal Meister werden, Rapid zwei Mal, und ein anderer Klub ein Mal."

Warum ist es nicht so?

"Es wurden viele Fehler gemacht im Verein. Vor allem wurde zu viel Personal gewechselt, es gab zu viele neue Trainer. So hatte man nie eine Linie."

Bei der Austria soll es jetzt Peter Stöger als Sportvorstand richten. Die Fans feiern ihn.

"In Köln ist das auch noch so."

In Dortmund weniger. Hat ihm diese Zeit geschadet?

"Geschadet nicht. Er hat dort das Minimalziel Champions League erreicht – wenn auch mit Glück. Fußball hätten sich viele in Dortmund einen anderen gewünscht. Ähnlich wie bei Kovac und den Bayern im ersten Jahr. Aber: In Dortmund war es zu dieser Zeit sehr unruhig, das Spielermaterial limitiert. Peter hat gezeigt, was er kann. Er hat einen Stempel hinterlassen, nicht nur mit Fußball am Platz. Auch als Mensch. Ich habe das als Sky-Experte hautnah mitbekommen: Er ist immer offen, ehrlich, pünktlich und korrekt. Das schätze ich an ihm."

Ist das Kapitel Trainer in Deutschland für ihn erledigt?

"Nein, die Tür ist nicht zu. Man weiß in Deutschland, was er kann."

Stichwort Nationalteam: Ist für Österreich die Qualifikation für ein Großereignis mit den vielen Legionären mittlerweile Pflicht?

"Teamchef Franco Foda ist ein Fachmann. Das Team hat auch die Qualität, sich für Großereignisse zu qualifizieren. Es fehlt aber die Dominanz im Spiel, um das einfordern zu können. Der Ausrutscher in Israel tut weh. Österreich ist derzeit nicht in der ersten Startreihe am Weg zur EURO 2020."

Ihre Lieblingsplätze in Wien?

"Die Heurigen bei schönem Wetter im 19. Bezirk. Und natürlich der erste Bezirk. Wien ist eine tolle Stadt, ich habe mich wohl gefühlt. Ich komme heute auch noch gerne nach Hütteldorf."

Lothar Matthäus ist heute als TV-Experte beim Sender "Sky" tätig. Seine Spielerkarriere machte ihn einst zum Weltstar. Der Deutsche spielte für Bayern München, Inter Mailand und Borussia Mönchengladbach. Dazu absolvierte der 58-Jährige 150 Länderspiele. Matthäus ist Weltfußballer, Weltmeister, Europameister, siebenfacher deutscher Meister, dreifacher DFB-Pokalsieger, italienischer Meister und zweifacher UEFA-Cup-Sieger (mit Bayern und Inter).

Als Trainer war er 2001/02 bei Rapid Wien tätig. Danach hatte er in Salzburg als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni gedient (06/07). Seine letzte Station endete 2011: Teamchef in Bulgarien.


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(Interview führte Martin Huber)

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