In der Woche vor dem Grand Prix von China bestellte Ferrari einen neuen Teamchef. Zu seiner eigenen Überraschung steht der Italiener Marco Mattiacci in Shanghai am Kommandostand des italienischen Teams. Hinter dem 43-Jährigen liegt die wohl turbulenteste Woche seines Lebens und eine halbe Weltreise.
. Zu seiner eigenen Überraschung steht der Italiener Marco Mattiacci in Shanghai am Kommandostand des italienischen Teams. Hinter dem 43-Jährigen liegt die wohl turbulenteste Woche seines Lebens und eine halbe Weltreise.
Aufgefallen ist Mattiacci in China bislang durch seine große Sonnenbrille. "Die brauchst du, wenn du 40 Stunden im Flugzeug sitzt und wenig schläfst", erklärte der 43-Jährige bei seiner ersten Pressekonferenz als Verantwortlicher bei Ferrari. Die Ära Mattiacci begann am 11. April mit einem Anruf aus der Ferrari-Zentrale: "Präsident Luca di Montezemolo war in der Leitung. Er erzählte mir von seiner Idee und ich meinte nur: ´Es ist reichlich spät für einen Aprilscherz´."
Doch der Ferrari-Boss meinte es ernst. "Nach zwei, drei Minuten in unserem Gespräch verstand ich dann aber, dass es kein Scherz war. Ich verstand es auch deshalb, weil bereits ein Flugticket für mich gebucht war - von New York nach Mailand, mit Abflug in drei Stunden", berichtete Mattiacci. In den frühen Morgenstunden des 12. April kam Mattiacci in die Ferrari-Zentrale nach Maranello. Der ehemalige Nordamerika-Chef Ferraris stellte gleich klar: "Vor euch sitzt eine motivierte Person."
Perspektivenwechsel
"Ich habe diese Herausforderung akzeptiert, weil manchmal ein Perspektivenwechsel ausreichen kann, um neue Möglichkeiten zu entdecken." Dem 43-Jährigen ist aber auch klar, dass er bislang noch nichts erreicht hat: "Ich muss aber erstmal beweisen, dass ich gut genug bin für Ferrari und die Formel 1."
"So ist das im Leben. Du kannst nicht immer alles kontrollieren und planen. Ich arbeite einfach nur immer sehr hart, um auf alles vorbereitet zu sein", erklärte der neue Ferrari-Boss seinen Aufstieg. Das Klima zwischen Stefano Domenicalli und Mattiacci hat aber unter der Absetzung des erfolglosen Domenicalli nicht gelitten. "Stefano und ich sind Freunde, er ist eine großartige Person. Ich habe den allergrößten Respekt vor ihm als Mensch und vor ihm als Profi.
Vom Arbeitgeber beeindruckt"
Mattiacci, der seit 14 Jahren für den italienischen Sportwagenhersteller tätig ist, sieht Potential im Team: "Wir haben eine tolle Mannschaft mit sehr talentierten Angestellten. Unsere Geschichte ist einmalig." Der 43-Jährige ist selbst vom Motorsport-Virus infiziert: "Ich liebe Rennsport. In meiner Freizeit fahre ich gern Rennen. Im vergangenen Jahr war ich sicher für über 20 Wochenenden an der Strecke."
Seine Hauptaufgabe sieht der neue Teamchef in der Motivation: "Meine Aufgabe ist, für die größtmögliche Motivation zu sorgen. Ich muss auch ein gewisses Projekt Management installieren. Ich verleihe dem Auto aber keine Extrasekunde. Die Ingeneure können so etwas vollbringen." Möglich ist, dass Ferrari frisches Blut braucht: "Wir denken darüber nach, den Markt zu sondieren."
Für die Saison nimmt sich Mattiacci viel vor, ab wann es aufwärts geht, kann der43-Jährige aber noch nicht einschätzen. "Ich kann da keine Prognosen abgeben. Aber wir geben nicht auf. Das wird nicht einfach."