Lando Norris geht als WM-Führender in die letzten vier Rennwochenenden der Formel 1. Neben den vier Grands Prix stehen noch zwei Sprints auf dem Programm. Der Brite hat bloß einen Punkt Vorsprung auf seinen McLaren-Stallrivalen Oscar Piastri. Vierfach-Champion Max Verstappen liegt mit 36 Punkten Rückstand auf dem dritten Rang. In der Formel 1 steht also ein Dreikampf bevor.
Dabei sind die Blicke vor allem auf den Konstrukteursweltmeister gerichtet, schließlich fahren beide McLaren-Teamkollegen um ihren jeweils ersten WM-Titel. Während Norris und Piastri zuletzt auch vermehrt auf der Strecke kämpften, rückte Verstappen hingegen immer näher. Sein Rückstand von einst 104 Punkten ist auf ein Drittel geschrumpft.
Derweil hält McLaren an seinen "Papaya-Regeln" fest. Diese legen klar fest, wie die Piloten auf der Rennstrecke gegeneinander rennfahren dürfen. Und die geben vor, dass kein Fahrer bevorzugt, stattdessen das Duell so fair wie möglich gestaltet werden soll. Ein Ansatz, der viel Kontroversen auslöste, etwa, weil Piastri seinen Teamkollegen im Grand Prix von Italien nach einem missglückten Boxenstopp wieder vorbeilassen musste.
Am Ansatz des Rennstalls werde sich aber auch in den nächsten Wochen nichts mehr ändern, wie Boss Zak Brown nun im Podcast "Beyond the Grid" betonte. Ganz im Gegenteil: Er würde sogar ein Szenario wie 2007 in Kauf nehmen. Zur Erinnerung: Damals hatten sich die beiden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso beinahe bis aufs Blut bekämpft, Ferrari-Star Kimi Räikkönen war der lachende Dritte und holte sich schließlich den Titel.
Dies könnte auch in der aktuellen Saison drohen, Verstappen vom McLaren-Stallduell profitieren. "Wir sind uns 2007 sehr bewusst. Wir haben zwei Fahrer, die die Weltmeisterschaft gewinnen wollen. Wir spielen offensiv, wir spielen nicht defensiv", betonte der US-Amerikaner. "Mir ist es lieber zu sagen: ,Wir haben mit unseren punktgleichen Fahrern das Bestmögliche getan und der andere hat uns um einen Punkt geschlagen´, als die Alternative", so Brown. Der dann präzisierte, was er mit der Alternative meinte: "Das wäre, einem unserer Fahrer jetzt, wo sie nur einen Punkt auseinander liegen, zu sagen: ,Ich weiß, du hast den Traum, Weltmeister zu werden, aber wir haben eine Münze geworfen und du darfst es dieses Jahr nicht werden´." Der McLaren-Boss betonte also, weiterhin keinerlei Stallorder aussprechen zu wollen: "Vergessen Sie es. So betreiben wir keinen Rennsport."
Und wenn Vierfach-Weltmeister Verstappen tatsächlich die 36 Punkte aufholen würde? "Dann würde ich ihm die Hand schütteln und sagen: ,Gut gemacht+", so Brown auf das Szenario eines WM-Titels des Red-Bull-Stars angesprochen. Trotz der Verstappen-Gefahr werde an den Prinzipien des Teams nichts verändert. "Ich will sicherstellen, dass er uns schlägt, wenn wir nicht gewinnen. Wir dürfen uns nicht selbst schlagen, das ist wichtig", meinte der Niederländer.