Die Lage spitzt sich zu: In Tirol sind im Durchschnitt rund 30 Kassenstellen unbesetzt - dazu kommen noch 40 bis 50 offene Stellen bei Augenärzten. Für Patienten bedeutet das vor allem eines: längere Wartezeiten und weniger Zeit beim Arzt.
Aktuell werden 49 Zahnärzte mit Kassenvertrag, zwölf praktische Ärzte und 17 Fachärzte dringend gesucht. Die Folge der chronischen Unterbesetzung: Die verbleibenden Ärzte müssen immer mehr Patienten versorgen.
"Das geht sich nicht mehr aus", sagt der St. Johanner Allgemeinmediziner Peter Lidinsky in der Tiroler Tageszeitung. In seiner Gemeinde ist eine von drei Kassenstellen unbesetzt. Für ihn und seine Kollegen wird die Situation immer schwieriger. "Weil die Zeit für die PatientInnen immer weniger, aber ihre Anzahl immer größer wird."
Was das konkret heißt, spüren Patienten direkt: Hausbesuche gehen sich oft nicht mehr aus, Gespräche bleiben auf der Strecke. Gleichzeitig steigt der bürokratische Aufwand. "Wir sind am Limit, die Lücken in der Basisversorgung übersteigen unsere Kapazitäten", warnt Lidinsky in der TT.
Ein weiteres Problem ist die Bezahlung: Die ärztliche Leistung wird oft nicht entsprechend abgegolten. Die wichtige therapeutische Aussprache wird laut Angaben nur in 17 Prozent der Fälle honoriert. Viele Ärzte sehen darin einen Grund, warum das System zunehmend unter Druck gerät.
Auch die Mehrarbeit hat Folgen. Ordinationen müssen länger offen halten, die Personalkosten steigen. Lidinsky fordert daher klare Maßnahmen: eine leistungsgerechte Bezahlung und mehr Kassenstellen. "Die jungen Ärzte sollen schließlich eine Perspektive haben. Wir müssen die Allgemeinmedizin fördern, vorrangig in den ländlichen Regionen."
Ärztekammerpräsident Stefan Kastner schlägt in der TT in die gleiche Kerbe. Ärzte dürften durch Mehrarbeit nicht "bestraft werden", das Abrechnungssystem müsse reformiert werden. Zusammenschlüsse mehrerer Ärzte könnten zwar helfen, seien aber "kein Allheilmittel gegen die aktuellen Versorgungsprobleme".
Auch aus der Politik kommen Forderungen nach raschem Handeln. Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele sieht dringenden Bedarf, das Kassensystem attraktiver zu machen und offene Stellen schneller nachzubesetzen. Zudem spricht sie sich für einen finanziellen Ausgleich aus, wenn Kassenstellen unbesetzt bleiben.