Mehr Grün für die Josefstadt? Das sagen die Parteien

Das sind die Spitzenkandidaten in der Josefstadt
Das sind die Spitzenkandidaten in der Josefstadt"Heute", zVg
Bleibt die Josefstadt in der Hand der ÖVP? Heiße Eisen im Bezirk - mehr Grünraum, Verkehrsberuhigung - könnten den Grünen in die Hände spielen.

Die Josefstadt ist der flächenmässig kleineste der 23 Wiener Bezirke. 70,34 % des Bezirksgebietes werden von Bauflächen eingenommen. Ein Wert, der nur vom benachbarten Neubau übertroffen wird. Beim Grünanteil - nur 2,2 Prozent - liegt die Josefstadt sogar noch hinter seinem Nachbarn.

Apropos grün: Der Vorsprung der ÖVP auf die Grünen lag 2015 nur bei etwas mehr als drei Prozent. Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP) hat aber keine Lust, ihren Chefinnensessel zu Räumen - und plant unter anderem mit fünf neuen Begegnungszonen und der Erschließung von mehr begrüntem Erholungsraum die Josefstädter ein weiteres Mal für sich zu gewinnen. Das Problem der illegalen Anrainerparkplätze ist weiter ungelöst.

So wählte die Josefstadt 2015
So wählte die Josefstadt 2015wien.gv.at

"Heute" sprach mit den jeweiligen Spitzenkandidaten der fünf größten Parteien im Bezirk, klopfte die wichtigsten Themen ab. Hier sind die Antworten:

Weil der 1. Bezirk bislang die Zusatztafeln nicht aufgehängt hat, ist das Anwohnerparken in der City nicht in Kraft.
Weil der 1. Bezirk bislang die Zusatztafeln nicht aufgehängt hat, ist das Anwohnerparken in der City nicht in Kraft.Helmut Graf

Die ebenfalls türkis regierte City stellt Zusatztafeln auf und macht Anrainerparken nun wieder „legal“. Soll die Josefstadt nachziehen?

Das sagt Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert: "Ich setze mich dafür ein, dass das Anrainerparken den JosefstädterInnen zu 100% zugutekommt. Die Haltung der Stadt Wien ist für uns unverständlich. Die rechtliche Situation ist noch immer unklar und die Volksanwaltschaft hat zuletzt im August 2020 Bürgermeister Ludwig aufgefordert, die rechtlichen Kundmachungsmängel zu beheben. Ich fordere den Bürgermeister auf, rasch eine Lösung im Sinne der JosefstädterInnen herbeizuführen."

Das sagt der grüne Spitzenkandidat Martin Fabisch: "Definitiv! Die völlig unnötige Blockade der Bezirksvorsteherin muss endlich aufhören, die AnrainerInnen brauchen endlich Klarheit und Rechtssicherheit. Die Situation für die BewohnerInnen würde sich damit deutlich entspannen."

Das sagt SPÖ-Spitzenkandidat Heinz Vettermann:"Die Josefstädterinnen und Josefstädter haben ein Recht auf gültiges AnrainerInnenparken. Das Anbringen der Zusatztafeln im ersten Bezirk zeigt, wie schnell es geht, wenn der politische Wille da ist. Nur die Bezirksvorsteherin [Veronika Mickel-Göttfert] weigert sich nach wie vor, im Sinne der Josefstädterinnen und Josefstädter zu handeln. Die Josefstadt ist der einzige Bezirk innerhalb des Gürtels, in dem die AnrainerInnenzonen nicht gelten. Wenn jetzt keine Handlungen gesetzt werden, verschärft sich der Parkplatzdruck in der Josefstadt weiter, und das ohne sachlichen Grund. Wir fordern die sofortige Wiederinkraftsetzung des AnrainerInnenparkens in der Josefstadt."

Das sagt FPÖ-Spitzenkandidat Maximilian Krauss: "Das Stillegen des Anrainerparkens im 8. Bezirk war von Beginn an ein Fehler. Längst fordern wir wieder die Einführung, nicht zuletzt auch, zur Verkehrsberuhigung. Anrainer müssen oft lange kreisen, bis sie einen Parkplatz bekommen. Zahlreiche Baustellen sorgen zusätzlich für Parkplatzknappheit."

Das sagt Neos-Spitzenkandidatin Birgit Kleinlercher: "Ja, denn die Weigerung der Bezirksvosteherin, die entsprechende Verordnung umzusetzen, hat in der Josefstadt fast zwei Jahre lang dazu geführt, dass es Rechtsunsicherheit und de facto keine Anrainer_innenparkplätze gab. Das Angebot der Stadt hätte die Quote der Anrainer_innenparkplätze auf 30% erhöht und somit zu weit mehr Parkraum für die Josefstädter_innen geführt als potenziell durch die erlaubte Nutzung durch Handwerker_innen und soziale Dienste verloren gegangen wäre. Diese Nutzung halten wir für sinnvoll und auch im Sinne der Anrainer."

Mirco Hämmerle will die Lerchenfelder Straße zwischen Neubaugasse und Lange Gasse zur Begegnungszone umbauen. "Die Straße ist breit genug, um Wiens erste Begegnungszone mit Bim zu werden", argumentiert er.
Mirco Hämmerle will die Lerchenfelder Straße zwischen Neubaugasse und Lange Gasse zur Begegnungszone umbauen. "Die Straße ist breit genug, um Wiens erste Begegnungszone mit Bim zu werden", argumentiert er.Sabine Hertel

Wie kann die Lerchenfelder Straße verkehrsberuhigt werden? Eine Bürgerinitiative setzt sich ja für eine Begegnungszone ein.

Das sagt Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert:"Begegnungszonen bieten die Chance für Verkehrsberuhigung und mehr Grünraum, deshalb planen wir fünf neue Begegnungszonen: die Pfeilgasse, die Skodagasse, die Florianigasse, den Matthias Hauer Platz und die Weiterentwicklung des Albertplatzes. Die Lerchenfelder Straße ist hingegen für eine Begegnungszone denkbar ungeeignet: Das würde die Linie 46 massiv verlangsamen und ich mache mir Sorgen um die Sicherheit, wenn Fußgängerverkehr auf Straßenbahnschienen stattfindet. Wir arbeiten zurzeit mit der Bezirksvorstehung Neubau und der Straßenplanung der Stadt Wien an einem gemeinsamen, ganzheitlichen Konzept für die Lerchenfelder Straße, das eine stärkere Begrünung aber auch eine Attraktivierung für FußgängerInnen und RadfahrerInnen vorsieht."

Das sagt der grüne Spitzenkandidat Martin Fabisch: "Wir setzen uns für Verkehrsberuhigung im gesamten (!) Bezirk ein und fordern seit langem flächendeckend Tempo 30 und die Einführung von Begegnungszonen. Zwei grüne Bezirksvorsteher am Neubau und in der Josefstadt wären ein Garant für eine dringend notwendige Beruhigung der Lerchenfelder Straße."

Das sagt SPÖ-Spitzenkandidat Heinz Vettermann: "Die Lerchenfelderstrasse soll wieder eine Geschäftstrasse werden auf der man gerne spazieren geht. Verkehrsberuhigung kann durch eine Veränderung der Zufahrtsrelationen und Abbiegemöglichkeiten geschaffen werden. Gemeinsam mit dem 7 Bezirk und dem Verein "Aktive Lerchenfelderstrasse" soll ein bezirksübergreifendendes Verkehrskonzept dazu beitragen. Zusätzlich trete ich für vorgezogene und begrünte Fußgängercaps ein, die den Grünanteil erhöhen und das Überqueren der Lerchenfelderstrasse erleichtern."

Das sagt FPÖ-Spitzenkandidat Maximilian Krauss: "Die Lerchenfelder Straße ist wie auch die Josefstädter Straße eine Durchzugsstraße und eine wichtige Verkehrsverbindung. Hier eine Begegnungszone zu machen würde zu erhöhtem Stauaufkommen sorgen, was wiederum zu einer zusätzlichen Abgasbelastung führen würde. Nicht zuletzt halte ich es für verantwortungslos dort Begegnungszonen zu schaffen, wo auch Straßenbahnen verkehren. Zum einen ist das zu gefährlich zum anderen würde das zu regelmäßigen Verspätungen führen."

Das sagt Neos-Spitzenkandidatin Birgit Kleinlercher: "Wir wollen die Durchzugsstraßen zu Aufenthaltsräumen für alle Anrainer_innen aufwerten und durch die Verkehrsberuhigung die Lebensqualität im Bezirk erhöhen. Zur Bürger_innen-Initiative Lerchenfelderstrasse sind wir auch mit unseren Kolleg_innen im Nachbarbezirk Neubau im Austausch und setzen uns für eine Verkehrsstudie ein, um die Auswirkungen auf die Umgebung zu untersuchen. Wichtig bei all diesen Projekten ist uns, dass die Anrainer_innen durch eine Befragung und -Beteiligung frühzeitig miteinbezogen werden und ihre Ideen und Vorschläge Berücksichtigung finden."

Etwas Grün, viel Stein: der Schlesingerplatz in der Josefstadt
Etwas Grün, viel Stein: der Schlesingerplatz in der JosefstadtHelmut Graf

Die Josefstadt hat den geringsten Grünanteil aller Wiener Bezirke. Was tun?

Das sagt Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert:"In der Josefstadt haben wir wunderbare Parks und es sind auch mehr geworden: 2019 haben wir den 3000m²-großen Garten der Beamtenversicherungsanstalt für alle geöffnet und mit der Öffnung des Gartens des Palais Strozzi und Palais Auersperg wollen wir noch mehr Erholungsraum erschließen. Eine wichtige Rolle spielen auch die vielen privaten Innenhöfe: Diese wollen wir unbedingt vor weiterer Verbauung schützen! Mit einer ,Klimaschutz-Million' für Bäume- und Begrünungsmaßnahmen wollen wir unsere Straßen noch attraktiver machen, etwa mit Fassadenbegrünungen an unseren Volks- und Mittelschulen."

Das sagt der grüne Spitzenkandidat Martin Fabisch:"Wir möchten die Bäume im Bezirk auf 1.000 verdoppeln, in der Josefstädter Straße eine grüne Begegnungszone errichten und vor dem Pfeilheim einen 4.000 m2 großen Park schaffen. Davon haben alle etwas, vor allem aber die nächste Generation."

Das sagt SPÖ-Spitzenkandidat Heinz Vettermann: "Wir brauchen mehr Bäume und Grünflächen in der Josefstadt. Deshalb bin ich dafür den Garten des Palais Strozzi zu öffnen und 2 zusätzliche Parks in der Josefstadt zu schaffen, vor dem Studentenheim Pfeilgase und vor der Schule Pfeilgasse,  Die Fassadenbegrünungen müssen vom Bezirk gefördert werden und ich werde ein Beispiel geben, indem die Albertgasse 23 (Kinderfreunde und SPÖ-8) bepflanzt wird. Die Wiener Aktion "Raus aus dem Asphalt" wird von mir vorangetrieben zb. durch Grüngleise. Auch der von mir geplante Bezirkshauptplatz am Josef Mathias Hauerplatz mit der Wohlfühloase bringt mehr Grün in die Josefstadt."

Das sagt FPÖ-Spitzenkandidat Maximilian Krauss:"Bei der Neugestaltung von Plätzen - wie etwa die geplante vor dem Pfeilheim - müssen verstärkt Bäume gepflanzt werden. Zudem könnte man endlich das Konzept der Fassadenbegrünung bei öffentlichen Gebäuden umsetzen. Auch der Platz rund um den Hamerlingpark könnte umgestaltet und begrünt werden. Allerdings spreche ich mich explizit gegen eine Begrünung auf Kosten von Parkplätze aus!"

Das sagt Neos-Spitzenkandidatin Birgit Kleinlercher:"Statt auf populistische Mikroprojekte wie Coole Straßen ohne Begrünung und Beschattung setzen wir auf ein langfristiges Grünraumkonzept mit Erhebungen, wo Platz für weitere Baumpflanzungen und Begrünungen verfügbar sind. Wo möglich, müssen Asphaltflächen entsiegelt, bei Bauprojekten Solarenergie, Fassaden-, Dach-, oder andere Begrünungsmöglichkeiten mitgedacht und Fördermöglichkeiten für Begrünungsmaßnahmen übersichtlicher gestaltet werden. Anrainer_innen und Geschäftsleute müssen wir im Kampf gegen den Klimawandel – als Kontrollore, Ideengeberinnen, Umsetzer (siehe Beispiel Strozzigasse) und damit als wichtige Partner sehen."

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