Nach einem Wirtschaftsstudium und über 30 Jahren im Controlling mittelgroßer Firmen und Konzerne zog ein Linzer die Reißleine. "Ich wollte weg von den Zahlen hin zur Unterstützung von Menschen. Diese Entscheidung habe ich noch keine Sekunde bereut", erzählt Peter Schneider. Heute drückt der 58-Jährige an der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe in Linz wieder die Schulbank.
Schon während seines Zivildienstes beim Samariterbund hatte er erlebt, wie prägend Begegnungen mit Menschen in schwierigen Lebenslagen sein können. Trotzdem führte ihn sein Weg zunächst ins Rechnungswesen. Erst viele Jahre später wuchs der Wunsch, noch einmal neu zu beginnen – mit einer Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer mit Schwerpunkt Behindertenbegleitung.
Aktuell absolviert er sein Praktikum bei der Mobilen Betreuung der Miteinander GmbH. Schule und Praxis greifen für ihn ideal ineinander: "In meiner Ausbildung an der Caritas-Schule habe ich sehr viele spannende Inhalte gelernt, die mir auch in der Praxis sehr zugutekommen."
Dort lernte er auch Johnny (72) kennen – einen Mann mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und bewegter Lebensgeschichte. Als Frühchen geboren, wuchs er in verschiedenen Heimen auf, erlebte Ablehnung und Ausgrenzung, verlor immer wieder wichtige Bezugspersonen. Viele Erinnerungen waren von Brüchen geprägt.
Für sein Abschlussprojekt entwickelte der angehende Fach-Sozialbetreuer gemeinsam mit Johnny das Projekt "It's my life – das ist mein Leben". Entstanden ist ein persönliches Fotobuch, eine Reise zu den eigenen Wurzeln. "Wir haben gemeinsam Orte seiner Vergangenheit besucht – etwa St. Isidor, wo er einen Großteil seiner Kindheit verbrachte, oder das Grab seiner mittlerweile leider bereits verstorbenen Kinderdorfmutter."
Tag der offenen Tür
Wer selbst einen Beruf mit Sinn sucht, kann sich am 5. März 2026 um 17 Uhr beim Infoabend im Salesianumweg oder am 6. März 2026 zwischen 9 und 14 Uhr beim Tag der offenen Tür am Schiefersederweg in Linz-Urfahr informieren.
Details unter ausbildung-sozialberufe.at.
Besonders emotional: das Wiedersehen mit der über 90-jährigen Firmpatin. "Da wurde spürbar: Es gab Menschen, die ihn mochten. Das hat ihn tief bewegt." Für Johnny wurde die Biografiearbeit zu einem starken Anker. "Gerade für Menschen mit wenigen positiven Bezugspunkten im Leben kann Biografiearbeit eine wertvolle Ressource sein", sagt der 58-Jährige.