Melbourne-Bosse bleiben trotz Spieler-Protest stur

Bei den Australian Open leiden die Tennisspieler unter der miserablen Luftqualität. Immer mehr Profis beschweren sich, doch die Organisatoren wollen das Grand-Slam-Turnier durchziehen.
Die Organisatoren beschwichtigten in den vergangenen Tagen immer wieder. "Die Australian Open finden wie geplant statt", versicherten sie. Die Buschbrände seien schrecklich und verheerend, doch für das Grand-Slam-Turnier würden sie trotz allem keine Gefahr darstellen. Der erste Tag der Qualifikation fürs Major-Turnier in Melbourne bewies bereits das Gegenteil.

Die Luftqualität war am Dienstag derart schlecht, dass die Slowenin Dalila Jakupovic einen heftigen Hustenanfall hatte und ihre Partie gegen die Schweizerin Stefanie Vögele aufgeben musste. Auch die ehemalige Topspielerin Eugenie Bouchard musste sich wegen Atemproblemen behandeln lassen, konnte jedoch weiterspielen.



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Sieht man Bilder aus Melbourne, erscheinen diese Probleme der Spielerinnen wenig überraschend. Die australische Großstadt wies am Dienstag weltweit die schlechteste Luftqualität auf: Auf den Straßen liefen die Leute mit Atemmasken herum, die Regierung empfahl den Bürgern im Haus zu bleiben und die Feuerwehr war dauerbeschäftigt, weil der starke Rauch Feuermelder auslöste.

"Das ist nicht vernünftig"

Immer mehr Tennisspieler beschweren sich deshalb öffentlich über die Bedingungen bei den Australian Open. "Ich bin schockiert, dass wir hier unsere Quali-Matches spielen müssen", twitterte die Luxemburgerin Mandy Minella (WTA 140). Unter anderem die sechsfache Turniersiegerin Alize Cornet (WTA 60) stimmte ihrer Kollegin wenig später zu. "Das ist einfach nicht vernünftig", fügte Cornet an.

Auch Top-Spielerin Elina Switolina (WTA 5) hat ihrem Ärger Luft gemacht. "Wieso müssen wir darauf warten, bis etwas Schlimmes passiert, damit wir etwas unternehmen?", twitterte die Ukrainerin.



Der Amerikaner Noah Rubin (ATP 250) warf neben allen Bedenken und Sorgen zudem eine Frage auf: Müsste ein Roger Federer oder ein Novak Djokovic unter solchen Bedingungen spielen? "Nein", meinte Rubin gegenüber "Sporting News Australia" und betonte noch einmal, wie schlecht die Luft in Melbourne sei.

Von den topgesetzten Spielern hat sich am Dienstag (noch) niemand zu den Bedingungen geäußert. Allerdings hatte Djokovic bereits vor einigen Tagen eine Verschiebung des Turniers erwogen. "Wenn die Gesundheit der Spieler gefährdet ist, sollte man als allerletzte Option darüber nachdenken." Der Lausanner Stan Wawrinka postete ein Bild aus Melbourne auf Instagram, das die Verhältnisse gut zeigt:


Messgeräte auf allen Courts

Unter den Organisatoren ist die Verschiebung weiterhin kein Thema. Turnierdirektor Craig Tiley versicherte, dass sie neue Maßnahmen wegen des Rauchs ergriffen hätten. "Wir haben Messgeräte auf allen Courts installiert, die die Luftqualität regelmäßig messen, und wir haben Fachleute beigezogen. Wir hören auf die Experten", sagte er. Grundsätzlich ist Tiley positiv gestimmt. Tatsächlich soll der Wind, der viel Rauch nach Melbourne gebracht hatte, am Mittwoch drehen und Regen ist ebenfalls wahrscheinlich.



Doch auch wenn sich nichts ändern würde, würde man die Australian Open nicht verschieben. Man würde es höchstens auf die drei überdachten Stadien und acht Hallenplätze des Melbourne Parks beschränken. "Die Vorhersagen für die nächsten Tage und Wochen sehen aber gut aus", gibt sich Tiley optimistisch. Die Organisatoren beschwichtigen wieder. "Die Australian Open finden statt." Vielleicht nicht ganz wie geplant. Aber sie finden statt.

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