Jürgen Melzer, Tennisgott! Was war das für eine schon verloren geglaubte Partie mit allen Höhen und Tiefen. Melzer versetzte am Mittwoch Österreichs Tennis-Fans in glorreiche frühere Zeiten zurück. Der 29-jährige Niederösterreicher rang vor den Augen seiner Mirna Jukic den Serben Novak Djokovic in 4:15 Stunden mit 3:6,2:6,6:2,7:6,6:4 nieder und steht im Halbfinale der French Open!
Djokovic spielte die ersten beiden Sätze, als witterte er nach dem überraschenden Aus von Roger Federer die Chance auf den Turniersieg. Melzer war zu dieser Zeit nur Zuschauer. Der Serbe schnalzte dem 29-Jährigen die Bälle nur so um die Ohren. Selbst einige Doppelfehler konnten ihn nicht aufhalten. Es schien, als würde Djokovic das Spiel locker nach Hause bringen.
Dabei lieferte Melzer kein schlechtes Spiel ab. Er leistete sich nicht mehr unerzwungene Fehler als im bisherigen Turnierverlauf, präsentierte sich am Netz wie aus den Pariser Vorrunden gewohnt frech und zeigte Djokovic gleich von Beginn an, dass er befreit aufspielen wollte.
Unfassbares Kämpferherz lässt Gegner verzweifeln
Das tat er auch. Melzers Aufbäumen begann allerdings erst beim Stand von 1:2 im dritten Satz. Was ihm zuvor nicht gelungen war, schaffte er nun gleich zweimal: Er breakte den Serben und nahm ihm den Satz mit 6:3 ab. Die Körpersprache des Niederösterreichers war plötzlich eine andere, das Publikum applaudierte ihm erstmals.
Erinnerungen an die legendären Matches von Thomas Muster kamen erstmals im vierten Satz auf, der länger dauerte als die beiden ersten zusammen. Beim Stand von 4:3 für Melzer servierte Djokovic von 0:40 weg gegen den möglichen Satzentscheid, holte das Game aber nach unfassbaren 21 Minuten doch noch. Melzer machte erst im Tie Break, in dem er zwischenzeitlich sogar 6:0 in Führung lag, alles klar.
Melzer macht's!
Mit seinem dritten Matchball im fünften Satz, in dem Djokovic nicht mehr ins Spiel fand und sich Melzer in einen von ihm nicht gekannten Rausch gespielt hatte, beendete Melzer das unglaubliche Spiel nach scheinbar ewigen 255 Minuten und riss die Hände vor Freude in die Luft. Das Spiel war zu Ende, Melzer der Sieger.
Sandplatzspezialist Nadal wartet
Was jetzt noch kommt, ist Draufgabe: Melzer trifft im Halbfinale am Freitag auf dem ehrwürdigen Centre Court von Roland Garros auf Sandplatzgott Rafael Nadal - obwohl er als krasser Außenseiter ins Spiel geht, wird sich dieses Halbfinale für Melzer anfühlen wie ein Finale.