Menstruations-App bricht das letzte Tabu im Sport

Menstruation und Spitzensport - dem Tabu-Thema geht es nun an den Kragen.
Menstruation und Spitzensport - dem Tabu-Thema geht es nun an den Kragen.Bild: iStock
Die Tagesform von Sportlerinnen hängt auch mit ihrem Zyklus zusammen. Eine neue App soll die Auswirkungen der Menstruation minimieren.
Die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui verpasste 2016 eine Olympia-Medaille. Ihre Erklärung: "Ich habe vergangene Nacht meine Periode bekommen und bin gerade sehr müde." 2015 scheiterte Tennis-Profi Heather Watson (GB), damals Nummer 38 der Welt, bei den Australian Open in Runde eins. "Wegen Mädchen-Sachen", sagte sie. Heuer ließ die Britin Jazmin Sawyers einen Weitsprung-Wettkampf in Boston (US) aus – "wegen Regelschmerzen".

Spitzensport und Menstruation – das Thema gilt als eines der letzten Tabus. Beeinflusst die Periode tatsächlich die Leistungsfähigkeit? Wie groß ist der Einfluss des Zyklus auf die Fitness?

Georgie Bruinvels hat sich mit der Thematik intensiv auseinandergesetzt – und versucht, das "Problem" zu lösen. Die Marathon-Läuferin und studierte Wissenschafterin entwickelte eine App, die Sportlerinnen und Betreuern helfen soll, die Auswirkungen der Menstruation auf das tägliche Training und den Wettkampf besser zu verstehen.

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Die (vorerst nur für das iPhone verfügbare) App nennt sich FitrWoman. Im Gegensatz zu vielen anderen Perioden-Tools zielt sie darauf ab, die sportliche Leistung während des Zyklus zu maximieren.

"FitrWoman liefert täglich Berichte über den physischen Zustand – individuell auf die Sportlerin zugeschnitten. Was geschieht mit dem Körper, wenn sich der Hormonspiegel verändert, welches Training ist gut – und was soll man wann essen, um das Energieniveau zu halten und den Blutzucker zu stabilisieren", erklärt Bruinvels, die bereits zwei Mal den Manchester-Marathon gewonnen hat, auf "CNN".

App als Verletzungs-Prävention?

Auch Verletzungen soll FitrWomen vorbeugen. Hintergrund: Frauen sind an gewissen Tagen ihres monatlichen Zyklus anfälliger, da Sehnen und Bänder um den Zeitpunkt des Eisprungs locker und elastisch werden. Das liegt am Östrogen-Spiegel, der dann seinen Höhepunkt erreicht. "Das zu verstehen, ist wichtig. Das Anpassen von Trainingsplänen könnte Verletzungen vermindern", sagt Bruinvels.

Woher weiß die App das?

Bruinvels und ihr Team fütterten die App im Vorfeld mit einer riesigen Daten-Menge. Grundlage ist ein Forschungsbericht mit dem Namen "Sport, Training und der Menstruationszyklus". Außerdem wurden 1.800 Fragebögen an Elite- und Freizeitsportler versandt.

"Während meiner Forschung habe ich immer mehr interessante Details und Aspekte erfahren", erzählt die laufende Wissenschafterin. "Athleten trainieren für jede Eventualität, aber nicht für den Menstruationszyklus."

"Aufklärung" für Trainer

Auch Trainer können vom Tool profitieren. "Viele Männer wissen nämlich gar nicht, wie sehr sich der weibliche Körper tatsächlich unterscheidet und worauf geachtet werden muss."

Die App steckt nach wie vor in den Kinderschuhen, wird aber laufend weiterentwickelt. "Das ist die erste Version. Jetzt geht es darum, Informationen zu teilen und sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen", wünscht sich die Entwicklerin.



(red.)

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