Senioren um Millionen geprellt

Millionen-Betrüger "Euro-Mehmet" lebt im Türkei-Luxus

Ein Vorarlberger soll mit dem Polizeitrick Millionen ergaunert haben. Heute lebt er in Istanbul im Luxus und gibt sich als seriöser Geschäftsmann.
Christoph Weichsler
04.04.2026, 19:59
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Er soll hinter einem der größten Betrugsfälle des Landes stecken: Mehmet Kerim Y. aus Vorarlberg wird von Ermittlern als Kopf eines Netzwerks gesehen, das gezielt ältere Menschen abzockte. Die Masche ist besonders perfide: Täter geben sich am Telefon als Polizisten aus, erzählen von angeblichen Einbrüchen oder Gefahren und setzen ihre Opfer massiv unter Druck. Am Ende übergeben diese oft ihr gesamtes Erspartes – in dem Glauben, es sei in Sicherheit – berichtet der "Standard".

Die Zahlen zeigen das Ausmaß: Mehr als 400 Opfer und rund 19 Millionen Euro Schaden sind dokumentiert. Ermittler gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Viele Betroffene sprechen aus Scham nicht darüber oder zeigen die Tat gar nicht erst an. Die Unschuldsvermutung gilt.

Perfides System

Nach bisherigen Erkenntnissen lief das System streng organisiert ab. Von Istanbul aus soll Mehmet Y. die Anrufe koordiniert haben, während in Österreich sogenannte Abholer unterwegs waren, die Bargeld und Schmuck einsammelten. Das Geld wurde danach rasch weitergeleitet, um Spuren zu verwischen.

In der Szene soll er als "Patron" oder "Euro-Mehmet" bekannt sein - ein Spitzname, der sowohl seine Rolle als Drahtzieher als auch seinen auffälligen Umgang mit Geld beschreibt. Zahlreiche Komplizen wurden bereits geschnappt und verurteilt, einige von ihnen fassten mehrjährige Haftstrafen aus.

Flucht in den Luxus

Während seine Mitstreiter vor Gericht standen, soll sich Mehmet Y. längst ins Ausland abgesetzt haben. Heute lebt er in Istanbul und ist für die österreichischen Behörden kaum greifbar. Der Grund: Er besitzt die türkische Staatsbürgerschaft, eine Auslieferung nach Österreich ist bisher nicht erfolgt.

Gleichzeitig zeigt er sich dort offen in einem Leben voller Luxus. Auf Fotos posiert er mit teuren Autos, vor einer Villa oder im eleganten Anzug bei Geschäftsessen. Nach außen gibt er sich als erfolgreicher Unternehmer mit einer Logistikfirma und großem Fuhrpark. Ermittler vermuten allerdings, dass diese Geschäfte vor allem dazu dienen könnten, Geld aus den Betrügereien zu waschen.

Familie vor Gericht

Auch sein engstes Umfeld geriet ins Visier der Justiz. Mutter und Schwester standen in Wien vor Gericht, weil sie laut Anklage Beute aus den Betrügereien transportiert und weitergegeben haben sollen. Beide wurden schließlich verurteilt.

Infobox: So schützt du dich vor dem Polizeitrick

- Echte Polizisten verlangen niemals Bargeld oder Schmuck zur "Sicherung"

- Beende das Gespräch sofort, wenn Druck aufgebaut wird

- Ruf selbst die Polizei unter 133 an – nicht die Nummer aus dem Anruf verwenden

- Sprich mit Angehörigen oder Vertrauenspersonen, bevor du etwas übergibst

- Lass keine Fremden in deine Wohnung, egal was sie behaupten

- Übergib niemals Geld oder Wertgegenstände an Unbekannte

Besonders brisant: Vor Gericht distanzierte sich die Mutter deutlich von ihrem Sohn. "Ich schäme mich für meinen Sohn", sagte sie damals – ein Satz, der die Dimension der Vorwürfe noch einmal unterstreicht.

Kontakt zu Medien

Öffentlich hält sich Mehmet Y. meist bedeckt. Interviews oder Stellungnahmen gibt es kaum. Zuletzt soll er jedoch ein anderes Medium kontaktiert haben und gefordert haben, Berichte über ihn zu löschen. Gleichzeitig präsentiert er sich online weiter als seriöser Geschäftsmann und versucht, dieses Bild aufrechtzuerhalten.

Für Ermittler passt das ins Gesamtbild: Nach außen geschniegelt und erfolgreich, im Hintergrund laufen mutmaßlich weiterhin dubiose Strukturen.

Kaum Hoffnung auf Urteil

Zwar läuft auch in der Türkei ein Verfahren gegen ihn, doch die Zweifel sind groß. Österreichische Behörden glauben nicht, dass Y. dort tatsächlich eine Haftstrafe antreten wird. Zu oft seien ähnliche Fälle im Sand verlaufen.

Solange er in Istanbul bleibt, ist er für die heimische Justiz praktisch nicht erreichbar. Für die Opfer bedeutet das: Ihr Geld ist weg – und der mutmaßliche Drahtzieher lebt weiter unbehelligt. Während viele Betroffene mit den Folgen kämpfen, zeigt sich "Euro-Mehmet" im Luxus – und versucht gleichzeitig, seine Vergangenheit Schritt für Schritt verschwinden zu lassen.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 04.04.2026, 19:59
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