Ihr Millionenerbe lässt Marlene Engelhorn derzeit umverteilen, "Heute" berichtete. Der unabhängige "Gute Rat für Rückverteilung" hat 77 Projekte und Organisationen ausgewählt, welche die 25 Millionen Euro der Deutsch-Österreicherin bekommen soll. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos kämpft die Aktivistin weiter für eine Reichensteuer. Ihre neueste Idee: Der "Steuerstolz" für Reiche.
In Davos ist die 33-Jährige, geborene Millionärin eigentlich in bester Gesellschaft – und doch ist sie nicht Teil des Clubs. Denn Engelhorn will mit ihrer Organisation "Tax Me Now" erreichen, dass sie mehr Steuern zahlt und gilt darum für gewisse Reiche als Nestbeschmutzerin.
„Ich wünsche mir einen Steuerstolz. Reiche sollten stolz feiern, dass sie die größten Beitragszahler zum Allgemeinwohl sind.“Marlene EngelhornMillionenerbin und Aktivistin
Bezeichnend: Engelhorn zeigte sich am Sonntag am Rande der linken Anti-WEF-Demonstration statt im Kongresszentrum. Das "Heute"-Partnermedium "20 Minuten" trifft die auf der Davoser Promenade zum Gespräch.
Dadurch, dass ich nicht am WEF als Teilnehmerin dabei bin, ignoriert mich meinesgleichen wohl einfach. Die sind hier, um sich untereinander zu vernetzen und zu lobbyieren, dass sie weiterhin möglichst wenig Steuern zahlen müssen – das ist das genaue Gegenteil, warum ich hier bin. Mein Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu generieren für faire Steuern, auch für Reiche.
Bisher nicht. Ich würde eine Einladung aber auch nur dann annehmen, wenn es bei dem Podium ernsthaft um Vermögensbesteuerung geht und wie diese Steuern als Mittel der Machtregulierung dienen können.
Oxfam hat gerade am Montag vorgerechnet, dass das Vermögen der Reichsten dieser Welt letztes Jahr wieder um zwei Billionen Dollar angestiegen ist – ein Zuwachs von 5,7 Milliarden pro Tag. Diese Konzentration von Geld ganz weit oben schafft ein feudalistisches System, also wie früher in Zeiten von Königen, Grafen und Herzögen. Aber wir leben in einer Demokratie und müssen den Geldadel über Steuern bändigen.
Die Milliardärinnen und Milliardäre von heute entscheiden ohne jegliche demokratische Kontrolle, was sie zum Beispiel als wohltätigen Zweck empfinden und unterstützen wollen und was nicht. Bei Steuern ist das ganz anders, da entscheiden wir alle mit, wie das Geld ausgegeben wird – und das würde ich dem intransparenten Milliardär immer vorziehen.
Es gibt gute und schlechte Ausgaben, das hängt vom individuellen Standpunkt ab. Die Frage ist nur: Wer schafft gesellschaftliche und soziale Realitäten? Der Staat oder die Reichen. Es braucht Regierende, die wissen, dass eine gute öffentliche Infrastruktur das Beste ist, wofür wir Geld ausgeben können.
Ich wünsche mir einen "Steuerstolz". Mein Traum ist, dass die jährliche Liste der 300 Reichsten durch die Liste der 300 besten Steuerzahlenden ersetzt wird. Reiche sollten hier zuoberst sein wollen und stolz feiern, dass sie die größten Beitragszahler zum Allgemeinwohl sind.
Das ist doch ein billiges Argument. Das gilt doch für alle Arten von Steuern. Ein Lohn wurde schon von meinem Arbeitgeber versteuert. Kaufe ich von meinem Gehalt ein Brötchen, zahlen der Bäcker und ich wieder Steuern mit diesem Geld. Das ist doch das Normalste der Welt. Bei einer Erbschaftssteuer zahlen Erben tatsächlich das erste Mal.
Die Logik könnte sein: Die Gesellschaft erlaubt dir als Erbe, finanziell privilegiert zu sein – obwohl du nichts zu diesem Geld beigetragen hast –, aber dafür wollen wir einen Teil davon für jene Kinder, die nicht so privilegiert sind wie du.