Sport

Miss Nobody erobert den Skisprunghimmel

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:11

Journalisten, ja selbst ihre Konkurrentinnen kannten sie nicht. Doch seit Freitag ist Eva Pinkelnig jemand, den man sich merken sollte. Die 26-jährige Horterzieherin, die erst vor zwei Jahren zum Skispringen begann, landete bei ihrem Weltcup-Debüt in Lillehammer prompt am 15. Platz. Dennoch muss sie zittern, ob sie die Saison überhaupt beenden kann.

Die Vorarlbergerin ging in Zeiten von Sportakademien, die den perfekt geschliffenen Athleten ausspucken, einen völlig anderen Weg und kam dennoch am Ziel an. Ursprünglich verfolgte Pinkelnig den Traum, den ihr großes Vorbild Anna Fenninger jetzt lebt – Profi-Skifahrerin zu werden. Die Schülerin der Ski-Handelsschule in Schladming bestritt FIS-Rennen gegen aufstrebende Alpinstars wie Janica Kostelic und Maria Höfl-Riesch. Doch der Durchbruch blieb ihr verwehrt.

Sie blieb dem Sport dennoch treu, fand ihr Glück im Klettern und in ihrem Studium für Freizeitpädagogik. Vor zwei Jahren probierte die Dornbirnerin bei einem Skifest einfach zum Spaß das Skispringen aus – da war es um sie geschehen. "Das ist genau das, was ich immer machen wollte", erinnerte sich Pinkelnig an die Gefühle von damals. Sie startete daraufhin im Austrian Cup und dann ging es schnell. Der neue Damen-Cheftrainer Andreas Felder holte sie sofort in den Nationalteam-Kader.

"Who are you?"

Das Risiko machte sich bezahlt. Pinkelnig qualifizierte sich souverän für den Weltcup-Auftakt in Lillehammer - mit der zweithöchsten Weite! "Sarah Hendrickson kam danach auf mich zu und fragte mich erstaunt: 'Who are you?'", berichtete die Skisprung-Quereinsteigerin über die Begegnung mit der aktuellen Weltmeisterin im Schanzenauslauf. Der Höhenflug ging im Bewerb trotz eines verpatzten ersten Sprunges weiter. Als 24. schaffte es Pinkelig in den zweiten Durchgang und somit waren gleich beim Debüt die ersten Punkte in der Tasche.

"Im ersten Durchgang habe ich ein bisserl zuviel attackiert. Ich habe dann im zweiten Durchgang einen lockeren Sprung gemacht", sagte die 26-Jährige. Und dieser ging voll auf. Dank des 93-Meter-Satzes machte Pinkelnig einige Plätze gut. "Jetzt kann ich es nicht so richtig glauben, dass ich 15. geworden bin. Ich freue mich über meine ersten Weltcuppunkte." Zufrieden zeigte sich auch Felder: "Sensationelle Leistung, aber wir wissen, dass sie noch mehr drauf hat."

Geld wird knapp

Diese bescherten Pinkelnig auch ein wenig Preisgeld - worauf sie stark angewiesen ist. Für ihren Weltcup-Traum musste sie den Job als Horterzieherin in Lustenau aufgeben. Alleine vom Sponsorengeld kann sie ihr Leben nicht bestreiten. Deshalb wurde sie eine ). Nach ihrem jüngsten Erfolg ist sie aber optimistisch. "Ich hoffe, dass ich die Saison durchziehen kann und im Jänner nicht wieder arbeiten muss", meinte die Vorarlbergerin.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen