Sport

Mit Herrn Bach am Berg! "Sind im Labor des Sports"

Heute Redaktion
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IOC-Präsident Thomas Bach ist einer der mächtigsten Männer des Sports. Was er für die Zukunft plant, wie er über Olympia in Österreich denkt - und was das alles mit einem Schweizer Luftkurort zu tun hat. "Heute.at" fragte nach.

Hier in den Schweizer Bergen ist die Ski-Welt noch heil. Ein Österreicher 2,54 Sekunden vorne – dann erst zwei Schweizer. An den Nationencup denkt hier keiner.

Philip Hoffmann demolierte im Riesentorlauf den Rest der Welt, ganz im Stil von Idol Hirscher. Hoffmann ist 17, ein Star von morgen. Bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne rittern derzeit 14 bis 18-Jährige um Gold – so wie später bei Olympia. "Hirscher ist mein Idol", gibt Hoffmann zu. "Er hat den Skisport revolutioniert."

Mit Bach am Berg

"Willkommen im Labor des Sports", sagt Thomas Bach. Der Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sitzt in einem Mini-Zug, der vorbei an verschneiten Gipfeln in den Winterkurort Villers rattert. Eine Stunde sind es hierher von Bachs Büro in Lausanne, wo er erste Reihe fußfrei auf den Genfer See blickt.

"Wir testen, was bei der Jugend ankommt", erklärt Bach „Heute.at" sein Labor. Er sah gerade beim Ski-Bergsteigen zu: Dabei geht's einen steilen Hang rauf. Weil es noch steiler wird, schultern die Athleten die Ski. Mit brennenden Oberschenkeln und ohne Steigfelle geht es fünf Riesentorlauf-Tore ins Ziel.

Alltagssorgen rasch zurück

Bach gefiel, was er sah. Im Zug holt ihn dann rasch der Alltag ein.

Da ist der Olympia-Ausschluss der Russen als Team: 43 Sportler wurden wegen Dopings für Olympia lebenslang gesperrt. Gegen den WADA-Beschluss legten die Russen Berufung ein. Der Ball liegt jetzt beim Sportgerichtshof CAS. "Ein rasches und eindeutiges Urteil", wünscht sich Bach. "Das Hickhack hilft keinem weiter." Hat sich Wladimir Putin bei ihm gemeldet? "Ob Putin oder Macron, ich rede mit vielen Regierungschefs."

Da ist Olympia 2020 in Tokyo, wo Ende Juli Hitzespiele steigen: "Es werden glänzende Spiele", ist Bach sicher. Noch nie sei eine Olympia-Stadt sechs Monate vor den Spielen so gut vorbereitet gewesen. Gegen die Hitze wurden und werden Maßnahmen getroffen, auch der schwierige Transport sei in der Mega-City in den Griff zu kriegen.

Da gibt es Sportarten wie Gewichtheben, wo 700 Doper seit dem Jahr 2000 überführt wurden: "Sie stehen unter Beobachtung", stellt er klar.



Rote Linie bei E-Sports


Die Zukunft im Sport heißt für Bach aber nicht nur Ski-Bergsteigen, sondern auch E-Sports. "Wir können es nicht ignorieren, es ist attraktiv für die Jungen. Wir leben auf keiner Insel. Unsere Vision ist es ja, die Gesellschaft besser zu machen", erklärt Bach. Eine klare rote Linie zieht er freilich bei "Gewalt und Killerspielen".

Es gäbe aber wachsende Gemeinsamkeiten. "Vor allem bei Spielen, die reelle Sportarten simulieren." Bach bringt das Beispiel des Hometrainers. Am Ergometer könne man problemlos die Tour de France Etappe fahren – sogar im Wettbewerb mit Freunden aus der ganzen Welt. "Die physische Anstrengung ist die gleiche, das Fahrrad bewegt sich halt nicht."

Im Jahr 2030 will übrigens Barcelona die Olympischen Winterspiele austragen – die Berge der Pyrenäen sollen dabei helfen. Und Österreich? Ist dort Olympia noch möglich? "Das hängt allein von den Österreichern ab. Ich gebe keine Ratschläge."