Mitangeklagter belastet Walter Mayer schwer

Heute begann im Wiener Straflandesgericht der Doping-Prozess gegen den ehemaligen ÖSV-Betreuer Walter Mayer. Ein Mitangeklagter gab an, für Mayer Dopingmittel besorgt zu haben und belastete den 54-Jährigen damit schwer.

Karl Heinz R. (42) war der Kurier in der Doping-Causa um Walter Mayer. Der 2003 nach mehrjähriger Haftstrafe entlassene Dachdecker sagte heute aus. Er soll im Auftrag von Mayer "Katzenfutter" - so das vereinbarte Codewort für die Dopingmittel - besorgt haben. R. hätte ab Dezember 2005 Wachstumshormone, EPO und Dynepo bei einem Apotheker gekauft. Dieser war kein unbeschriebenes Blatt und in der Bodybuilder- und Fitness-Szene als Quelle für illegale Subtanzen bekannt.

Bei letzter Übergabe war Blutdoping bereits verboten
Die Übergaben hätten bei R. zuhause oder an Autobahnraststätten stattgefunden. Der Mitangeklagte gab an, die Dopingmittel zunächst "vorfinanziert" zu haben, da Mayer offenbar Geld-Probleme gehabt habe. Die letzte Übergabe soll Ende Oktober 2008 in Klagenfurt stattgefunden haben - ein Datum mit großer Bedeutung. Denn da war das Anti-Doping-Gesetz schon über zwei Monate in Kraft getreten - Betreuer und Funktionäre dürfen demnach im Fall von Doping auch strafrechtlich belangt werden.

Laut R. hätte er an Mayer nur "ein bissl" verdient. Reich geworden bin ich damit nicht", sagt der Angeklagte. Am meisten soll er bei einer mit Mayer befreundeten Läuferin verdient haben, die Seniorenweltmeisterin werden wollte und das mit Hilfe von Doping schaffte. Der Mitangeklagte erklärte, auch vor den Olympischen Spielen 2006 Mayer verstärkt mit EPO versorgt zu haben. Namen von Sportlern will er im Prozess nicht nennen: Ich will keinen Sportler anpatzen.

Staatsanwältin: "Schönes Beispiel für Doping-Vertriebsschiene
Ein 52-jähriger Apotheker wurde ebenfalls zur Anklage gebracht. Staatsanwältin Nina Weinberger sprach in ihrem Plädoyer von einem "schönen Beispiel für eine Doping-Vertriebsschiene". Der Mediziner bekannte sich schuldig, 2006 und 2007 verbotene Mittel an R., aber auch an zwei verurteilte Ex-Radsportler verkauft zu haben.

Mayer selbst kam bisher nicht zu Wort. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. Dann kann sich der ehemalige Betreuer zu den schweren Vorwürfen äußern.

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