Wenn am Wochenende in Monaco wieder die Königsklasse des Motorsports gastiert, stehen im Fürstentum nicht nur die Stars und ihre Boliden im Mittelpunkt. Denn um Platz für das immer größer werdende Spektakel zu schaffen, wurden eine Schule und ein Kindergarten abgerissen. Rund 1.000 Kinder sind davon betroffen.
Der Grund: Mit Cadillac ist seit dieser Saison ein elftes Team in der Formel 1 vertreten. Im ohnehin überfüllten Jachthafen von Monaco musste deshalb zusätzlicher Platz für die Infrastruktur der Rennserie geschaffen werden.
Neben den elf Teams benötigen auch die FIA und die Formel 1 eigene Gebäude – somit muss das Fürstentum mittlerweile 13 Team-Häuser zur Verfügung stellen. Und weil im zweitkleinsten Staat der Welt dafür kein freier Platz vorhanden war, fielen die Bildungsstätten den Baggern zum Opfer, wie die "Bild" berichtet.
Die Arbeiten für den Abriss begannen bereits unmittelbar nach dem Monaco-Grand-Prix des Vorjahres. Die betroffenen Kinder müssen nun auf andere Einrichtungen ausweichen, die nächstgelegene Schule befindet sich knapp zwei Kilometer entfernt.
Der Platzbedarf der Formel 1 wächst allerdings nicht nur im Fahrerlager. Auch bei den Zuschauern rechnet die Königsklasse heuer mit einem neuen Rekord. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, wurde der exklusive "Paddock Club" massiv erweitert. Ein neu errichteter Komplex im Wert von rund zehn Millionen Euro soll die Kapazitäten der Luxus-Logen sogar verdreifachen.
Monaco sieht sich deshalb immer stärker gezwungen, der Formel 1 entgegenzukommen. Das Fürstentum leidet seit Jahrzehnten unter chronischem Platzmangel, möchte aber um jeden Preis Teil des Rennkalenders bleiben. Dafür mussten die Organisatoren in den vergangenen Jahren bereits mehrere Zugeständnisse machen.
Lange Zeit genoss der Grand Prix einen Sonderstatus innerhalb der Formel 1. So durfte Monaco eigene Sponsoren vermarkten und einen exklusiven VIP-Bereich unabhängig von der Rennserie betreiben. Diese Privilegien wurden mittlerweile jedoch gestrichen. Auch das traditionelle Rennwochenende Ende Mai gehört der Vergangenheit an. Die Formel 1 verlegte den Termin, um eine Überschneidung mit dem legendären Indy 500 in den USA zu vermeiden.