85 Rapid-Fans sollen für die Ausschreitungen im Mai 2009 am Wiener Westbahnhof verantwortlich sein. Unter ihnen ist der Chef der "Ultras Rapid".
85 Rapid-Fans sollen für die Ausschreitungen im Mai 2009 am Wiener Westbahnhof verantwortlich sein. Unter ihnen ist der Chef der "Ultras Rapid".
Am 21. Mai 2009 marschierten nach einem Heimspiel gegen Mattersburg 165 Rapid-Anhänger zum Westbahnhof. Dort trafen zu diesem Zeitpunkt die Fans des Erzrivalen Austria vom Auswärtsspiel in Linz ein. Was sich dann abspielte wird ab Montag zu klären versucht. Der Prozess findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Dutzende Beamte der Wega werden vor Ort sein. Es sind 37 Verhandlungstage anberaumt. Im Falle eines Schuldspruches - die Urteile werden erst 2012 fallen - drohen den Angeklagten bis zu drei Jahre Haft.
"Ultras"-Capo muss sich verantworten
85 Rapidler müssen sich vor Gericht verantworten. In einer ersten Tranche werden die Fälle von 32 Beteiligten verhandelt. Unter ihnen befindet sich auch der Capo der "Ultras Rapid" Oliver P. (29). Laut Anklageschrift wird ihm und den anderen 84 vorgeworfen, sich "wissentlich der Zusammenrottung einer Menschenmenge" beteiligt zu haben, die "darauf abzielte, dass unter ihrem Einfluss Körperverletzungen oder schwere Sachbeschädigungen begangen werden".
Laut Staatsanwalt Thomas Vecsey konnten gröbere Ausschreitungen nur deshalb verhindert werden, weil die Polizei vom Plan der Rapidler Wind bekommen hatte und die beiden rivalisierenden Fangruppen voneinander abschirmte. Trotzdem kam es dabei zu Übergriffen: "Bei dem von Aggression und kollektiver Gewaltbereitschaft getriebenen Versuch der Angeklagten, an den Exekutivbeamten vorbei und zu den FK Austria-Anhängern zu gelangen, kam es zu zahlreichen, in Summe schweren Sachbeschädigungen zum Nachteil der ÖBB und zu teils vollendeten, teils versuchten Körperverletzungen an einschreitenden Exekutivbeamten."
Anwalt: Austrianer sollen Randale ausgelöst haben
P. wird zudem vorgeworfen, die Rapidler aufgestachelt und gesteuert zu haben. Der Anwalt des "Ultras"-Capos bezeichnet die Behauptungen als "abstrus". Laut dem Rechtsvertreter waren die Rapidler in der Absicht auf den Westbahnhof gekommen, um die Austrianer mit Schmähgesängen zu empfangen und um Präsenz zu zeigen. Die Austria-Fans hätten in weiterer Folge pyrotechnische Gegenstände gezündet und die Polizei attackiert, um zu den Grün-Weißen zu gelangen. Der Anwalt meint weiter, dass P. daraufhin "vom Westbahnhof abgezischt" sei.
Befürchtungen, dass der Prozessauftakt von solidarisierenden Fans gestört werden könnte, weist der Anwalt zurück. Sämtliche Gruppierungen seien dazu aufgerufen, dem Gericht fernzubleiben, da etwaige Zwischenfälle nicht im Interesse der Angeklagten seien.