Der Rückblick gab noch Hoffnung: Im Februar lagen die Energiepreise um 4,1 Prozent unter dem Vorjahr. Doch dieser Blick täuscht – denn die Daten zeigen die Lage noch vor der Eskalation im Nahen Osten.
Seit März hat sich die Situation dramatisch verändert. Die internationale Versorgung ist laut Experten "äußerst angespannt". Auslöser sind massive Störungen bei Öl- und Gaslieferungen, etwa durch die Blockade wichtiger Transportwege (Straße von Hormus) und zerstörte Infrastruktur.
Das Problem: Schon kleine Ausfälle können jetzt große Preissprünge auslösen – die Märkte sind extrem nervös.

"Vor diesem Hintergrund ist am Endkundenmarkt in den kommenden Wochen und Monaten mit anhaltend hohen Preisen bei Treibstoffen und steigenden Preisen bei Erdgas zu rechnen. Seriöse Prognosen über das genaue Ausmaß sind jedoch im Moment kaum möglich", heißt es von der Österreichischen Energieagentur.
Die Folgen könnten weit über das Tanken hinausgehen. Energie ist ein zentraler Kostenfaktor in vielen Bereichen – auch bei Lebensmitteln. Bleiben die Preise länger hoch, könnten sich die Teuerungen auf viele Alltagsprodukte ausweiten.
"Für die Einordnung der aktuellen Preissituation ist relevant, dass die Energieträger Erdgas und Rohöl in zahlreichen Produktionsschritten, unter anderem auch bei der Lebensmittelproduktion, eine zentrale Kostenkomponente darstellen", sagt Lukas Zwieb, Experte für Energiewirtschaft der Österreichischen Energieagentur.
Sollte, was wahrscheinlich ist, das Preisniveau im Energiesektor über einen längeren Zeitraum erhöht, werden sich diese Steigerungen in vielen anderen Produkten niederschlagen: "Perspektivisch müssen wir uns also auf die nächste Energiepreiskrise vorbereiten", analysiert der Experte.
"Die aktuelle Krise führt uns einmal mehr vor Augen, wie verwundbar wir bleiben, solange fossile Importe eine tragende Säule unserer Energieversorgung sind", sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur.
Weiter: "Jede Kilowattstunde, die wir im Inland aus erneuerbaren Quellen erzeugen, reduziert diese Abhängigkeit. Der Erneuerbaren-Ausbau, begonnen mit der Wasserkraftnutzung, dem Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik, war richtig und stärkt bereits unsere Resilienz, reicht aber bei weitem noch nicht aus – die aktuelle Lage muss Anlass sein, ihn zu beschleunigen und Energieeffizienz konsequent voranzutreiben."
Was jetzt helfen kann? Fachleute der Energieagentur empfehlen vor allem, den Energieverbrauch zu senken - etwa durch mehr Homeoffice, Tempolimits oder einen stärkeren Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Staatliche Eingriffe wie Steuersenkungen können zwar kurzfristig entlasten, bremsen aber oft notwendige Anpassungen.