Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben eine neue, brisante Stufe erreicht. US-Präsident Donald Trump droht mit Angriffen auf iranische Kraftwerke und stellt damit indirekt auch die für den globalen Handel zentrale Straße von Hormus in den Mittelpunkt des Konflikts.
Laut seiner Warnung habe Teheran 48 Stunden Zeit, um die Meerenge wieder für den Schiffsverkehr zugänglich zu machen. Dieses Ultimatum würde in der Nacht zu Dienstag auslaufen.
Die Entwicklungen könnten laut "L'essentiel" weitreichende Folgen haben – nicht nur für die Region, sondern für die gesamte Weltwirtschaft.
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Engpässen im globalen Energiehandel. Ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports passiert diese Meerenge vor der Küste des Irans. Seit Beginn der jüngsten Spannungen kommt es dort immer wieder zu Zwischenfällen mit Schiffen.
Auch wenn die Meerenge nicht offiziell vollständig gesperrt ist, gilt sie faktisch als blockiert. Reedereien meiden die Route zunehmend, da die Sicherheitslage als unberechenbar eingeschätzt wird. Der Schiffsverkehr ist dadurch stark eingeschränkt.
Hinzu kommt, dass der Iran mit vergleichsweise einfachen Mitteln erheblichen Einfluss auf die Lage nehmen könnte – etwa durch Angriffe mit Schnellbooten oder das Ausbringen von Seeminen.
Der Iran reagierte auf die US-Drohung seinerseits mit scharfen Warnungen. Sollte es zu Angriffen kommen, könnten Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen in mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier geraten.
Eine solche Eskalation hätte potenziell gravierende Folgen: Neben geopolitischen Spannungen könnten auch Versorgungsketten für Wasser und Energie in der Region massiv beeinträchtigt werden.
Trump sprach davon, mit dem "größten" Kraftwerk im Iran beginnen zu wollen, ohne konkrete Anlagen zu benennen. Experten gehen davon aus, dass vor allem Gaskraftwerke gemeint sein könnten, da diese den Großteil der iranischen Stromversorgung ausmachen.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) basierten rund 80 Prozent der iranischen Stromproduktion im Jahr 2023 auf Erdgas. Zu den wichtigsten Anlagen zählen unter anderem große Kraftwerke nahe Teheran sowie in der Provinz Masandaran am Kaspischen Meer mit jeweils mehreren tausend Megawatt Leistung.
Ein Angriff auf das Atomkraftwerk Buschehr gilt hingegen als unwahrscheinlich. Die Anlage liegt im Süden des Landes am Persischen Golf und würde im Falle eines Angriffs ein erhebliches Risiko mit unkontrollierbaren Folgen darstellen.
Die wirtschaftliche Lage im Iran ist bereits angespannt. Neben internationalen Sanktionen und den Folgen militärischer Konflikte hat auch eine weitreichende Internetblockade das öffentliche Leben eingeschränkt. Große Teile der Bevölkerung sind seit Wochen vom internationalen Netz abgeschnitten.
Ein Angriff auf die Energieinfrastruktur könnte die Situation weiter verschärfen. Ein Ausfall der Stromversorgung hätte direkte Auswirkungen auf zentrale Lebensbereiche: Kühlung, Heizung und Wasserversorgung könnten ebenso betroffen sein wie Banken, Industrie und kritische Infrastruktur.
Für Millionen Menschen im Iran hätte ein solcher Szenario massive Konsequenzen. In der Bevölkerung wächst die Sorge vor einem vollständigen Zusammenbruch wichtiger Versorgungsstrukturen.
Im Gegenzug könnten Angriffe des Iran auf Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten zielen. Diese Anlagen sind essenziell für die Wasserversorgung in einer Region, die kaum über natürliche Süßwasserressourcen verfügt.
In Ländern wie Katar oder Bahrain stammen mehr als 90 Prozent des Trinkwassers aus solchen Anlagen. Insgesamt existieren in der Region rund 3.400 Entsalzungsanlagen. Viele davon liegen an der Küste des Persischen Golfs – in unmittelbarer Reichweite möglicher Angriffe.
Es gab bereits Vorfälle, bei denen Anlagen beschädigt wurden, etwa in Bahrain oder Kuwait. Solche Ereignisse werden als Warnsignale interpretiert, könnten im Falle einer gezielten Eskalation jedoch deutlich schwerwiegender ausfallen.