Betroffen sind die Stadtteile Lichterfelde, Zehlendorf, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee. Auch Kioske, Tankstellen, Gasthäuser, Pflegeheime und Spitäler sind ohne Strom. Laut 20 Minuten rechnet die Stadt damit, dass viele Betroffene wohl bis Donnerstag ohne Strom bleiben müssen. In der Nacht auf Sonntag hat das Thermometer minus drei Grad angezeigt.
Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus und ermittelt. Ein Bekennerschreiben liegt vor, wie die "Bild" berichtet. Der Staatsschutz prüft jetzt, ob das Schreiben tatsächlich von der linksradikalen "Vulkangruppe" stammt, die sich zu der Tat bekannt hat.
Gegen 6.12 Uhr haben Unbekannte eine Stromleitung beim Teltowkanal in Brand gesetzt. Diese Leitung versorgt ein Kraftwerk in Lichterfelde. Der Ausfall betrifft nicht nur den Strom, sondern legt auch die Heizung, Fernwärme, das Telefon und Internet lahm.
Die Lage vor Ort ist gespenstisch: Ampeln fallen aus, Supermärkte und Tankstellen sind zu, Gasthäuser bleiben geschlossen. Die Polizei fährt mit Lautsprecherwagen durch die Straßen und informiert die Menschen. In den betroffenen Grätzeln herrscht Dunkelheit, nur Gaslaternen und Autoscheinwerfer spenden noch Licht. Die Stadt hat Notunterkünfte eingerichtet. Ältere oder kranke Menschen werden aus Spitälern und Seniorenheimen in Sicherheit gebracht.
"Wir werden uns warm anziehen, aber bis Donnerstag halten wir nicht durch. Berlin muss sich etwas einfallen lassen", sagt eine Lehrerin, die mit zwei Kindern und zwei Hunden in einer eiskalten Wohnung ausharrt.
Viele organisieren sich selbst, um durchzuhalten. Eine Betroffene hat eine "Matratzenburg" gebaut, damit es wenigstens ein bisschen wärmer wird. Eine Frau und ihre Tochter gehen bei Freunden duschen, ein anderes Paar fährt den ganzen Tag mit der Bahn, um nicht auszukühlen. Eine Pensionistin hat ein Meer aus Kerzen vorbereitet, kann wegen einer Knieverletzung aber kaum aus der Wohnung.
Auch die Kleinsten sind betroffen: Eine Frau aus Mönchengladbach, die bei ihrer Nichte zu Besuch ist, sagt: "Meine Nichte hat zwei kleine Babys. Wir halten sie warm."
Brandinspektor Holger Eckardt von der Freiwilligen Feuerwehr Heinersdorf spricht von einer "absoluten Ausnahmesituation". In Wannsee wurde beim Rathaus ein Notpunkt eingerichtet. "Die Leute können sich informieren, Hilfe suchen oder einfach nur ihr Handy laden."
In der Nacht auf Sonntag konnte der Netzbetreiber in ein paar Straßen den Strom teilweise wiederherstellen. Seit Mitternacht sind rund 9.500 Haushalte wieder am Netz – das ist aber nur ein kleiner Teil der Betroffenen.
Wie lange die restlichen Haushalte noch ohne Strom bleiben, ist noch nicht klar. Die Kältewelle soll jedenfalls weiter anhalten.