Red Bull Salzburg drehte einen 0:3-Rückstand in Anfield in ein 3:3, nur um dann doch noch zu verlieren. Mit diesem Taktik-Kniff gelang die Aufholjagd.
Der österreichische Serienmeister schrammte beim Titelverteidiger an einem kleinen Champions-League-Wunder vorbei. Salzburg glich nach frühem 0:3-Rückstand in Liverpool im zweiten Gruppenspiel aus. Ein Treffer von Mo Salah ließ die Anfiel Road doch noch über einen Sieg jubeln.
Verrücktes Spiel in Anfield
Am Anfang sah es ganz und gar nicht nach einer knappen Angelegenheit aus. Sadio Mane, Andrew Robertson und Salah hatten nach etwas mehr als einer halben Stunde für vermeintlich klare Verhältnisse gesorgt.
Dann kam die Wende. Hee-chan Hwang sorgte vor der Pause für den Anschluss (39.). Takumi Minamino ließ Salzburg träumen (56.), der eingewechselte Erling Haaland das Stadion mit dem 3:3 verstummen (60.).
Liverpool rappelte sich nach dem Schock wieder auf. Salah schoss in Minute 69 das entscheidende 4:3.
Der Taktik-Kniff
Salzburg muss die Heimreise mit leeren Händen antreten. Die Bullen haben sich aber Anerkennung von der Fußball-Welt erarbeitet. Die unglaubliche Aufholjagd in der Festung Anfield ließ keinen kalt.
Doch wie haben die Bullen dieses Kunststück zusammengebracht? Nach dem Spiel folgte die Aufklärung. Ein Formationswechsel war der Schlüssel zum (Beinahe-)Erfolg und dient Liverpools Premier-League-Konkurrenz wohl ab sofort als Blaupause für künftige Matches.
Salzburg-Trainer Jesse Marsch stellte mit einem kleinen Zettel das gesamte Spiel auf den Kopf. Das Papier wurde Takumi Minamino, der ein außergewöhnliches Spiel ablieferte, überreicht. Dem Japaner wurde dabei aufgetragen, das Mittelfeld neu zu ordnen.
Marsch löste das angestammte 4-4-2 auf. Er verschob seine vier Mittelfeldspieler, ließ sie enger zusammenrücken. Salzburg spielte mit einer Mittelfeldraute weiter.
Minamino rückte ins Zentrum und trat ab diesem Zeitpunkt als "Zehner" auf. Von ihm sollte eine Leistung folgen, die Liverpool-Fans dazu bewegte, ihren Trainer Jürgen Klopp aufzufordern, den Wirbelwind doch bitte schleunigst zu kaufen.
Zlatko Junuzovic gab den "Sechser". Supertalent Dominik Szoboszlai rückte vom linken Flügel als "Achter" näher zur Mitte. Enock Mwepu rückte etwas vor und gab ab sofort den rechten "Achter".
Die Umstellung trug Früchte. Es klickte im Salzburger Mittelfeld. Die anfängliche Unsicherheit wich dem gewohnten aggressiven Anlaufen und schnellen Gegenstößen. Liverpool kostete das fast den sicher geglaubten Sieg.
Marsch erklärte die Maßnahme nach dem Spiel: "Mit der neuen Formation konnten wir zurück ins Spiel. Das Tor war der Schlüssel, denn darauf konnten wir aufbauen." Klopp ärgerte sich: "Wir wurden wie ein Magnet in die Mitte gezogen, anstatt uns auf den Halbräumen anzubieten und die Flügel zu besetzen", zollte aber vor allem dem Gegner Respekt: "Wir haben eine Lektion bekommen. Größter Respekt für Salzburg. Ich wusste im Vorhinein, dass es nicht möglich ist, Salzburg 5:0 oder 6:0 aus dem Stadion zu schießen."