"Nach meiner Erkrankung dachte ich, meine Karriere auf der Bühne ist vorbei", erinnert sich Dominik Hees im Gespräch mit "Heute" an die schwierige Zeit zurück. Der 37-Jährige steht seit 17 Jahren als Musicaldarsteller auf Europas Bühnen, verkörperte zahlreiche bekannte Rollen, darunter in "Cats", "Kinky Boots", "Evita" oder "Hair". Bis sich im April 2023 alles änderte.
Damals machte Hees seine Krebs-Diagnose öffentlich, schrieb auf seiner Instagram-Seite über eine seltene Krebsform, die mit nur 34 Jahren bei ihm entdeckt wurde. Sein damaliges Engagement beim "Glöckner von Notre Dame" in Wien musste er abbrechen, erhielt Chemotherapie und wurde operiert. Im August machte er schließlich die Nachricht öffentlich, dass der Tumor entfernt werden konnte.
Eine Rückkehr auf die Bühne schien damals aber noch in weiter Ferne: "Ich habe mich so anders gefühlt als vorher. Ich dachte, wenn ich meine Superkraft nicht mehr habe, die mich früher ausgemacht hat, macht es keinen Sinn weiterzumachen", so der Sänger. "Ich habe lange in einer Wüste gelebt. Dann kam ein Jahr von Gleichgültigkeit, in dem ich mir gedacht habe, es ist alles egal, ich habe meine Familie."
Hees ging wieder zurück auf die Bühne, war zuletzt als "Kaiser Karl VI." in "Maria Theresia" am Wiener Ronacher zu sehen. Nun gaben die Vereinigten Bühnen Wien die Besetzung für das Stück "Die Schöne und das Biest" im Raimund Theater bekannt – mit niemand Geringerem als Dominik Hees in der Titelrolle. "Heuer ist so viel dazu gekommen, das habe ich beim Vorsingen bemerkt", strahlt der Familienvater. "Ich habe eine Ruhe in mir gefunden, die ich ohne meine Erkrankung wohl nicht hätte."
Die Geschichte verbinde ihn in gewisser Weise mit dem "Biest", so Hees. "Das Biest resigniert auch. Es hat das Gefühl, es gibt keinen Ausweg mehr. Es wird immer so bleiben, wie es ist und findet sich damit ab. Im Lied singt er, dass er für den Tod bereit ist, es gibt keinen Grund mehr zu leben", erläutert der Darsteller.
"Dann kommt eine junge Frau und schafft es, Hoffnung und Liebe in ihm zu erwecken. Sie zeigt ihm, dass es in den dunkelsten Zeiten etwas gibt, an dem man festhalten kann." Für ihn selbst seien seine Frau (Anm.: Milica Jovanovic, derzeit im "Phantom der Oper" als "Carlotta" zu sehen) und Tochter die wichtigsten Menschen gewesen.
Eine Titelrolle in Wien zu spielen war ein großer Kindheits-Traum für Hees – wir berichteten. Die Freude auf das Stück sei groß, aber dennoch sagt er heute: "Die Zeit hat mich gezeichnet. Ich stehe morgens auf, schaue wie es mir geht und was ich geben kann. Langfristiges Planen habe ich aufgegeben. Mein Motto ist (er zeigt auf unser Mikrofon) "Heute". Darum geht es, nicht mehr um das Morgen. Das nehme ich mit in die Arbeit. Ich habe keine Erwartungen, ich gehe hin, gebe mein Bestes und versuche, die Momente mit den Menschen zu genießen." Und auf eines freut sich der stolze Vater am meisten: "Wenn meine Tochter das Stück sehen kann!"