Mehr als 100 Jahre lang war der Bräunerhof in der Stallburggasse (Wien-Innere Stadt) eine feste Größe der Wiener Kaffeehauskultur. Literaten wie Thomas Bernhard und Hugo von Hofmannsthal, der Schauspieler Oskar Werner oder der Kabarettist Helmut Qualtinger waren hier Stammgäste.
Nach der Insolvenz des Traditionsbetriebes im Vorjahr meldeten sich mehrere Interessenten. Den Zuschlag erhielten schließlich aber Peter Friese vom "Schwarzen Kameel" und die Familie Plachutta, die bereits sieben Lokale in Wien betreibt. Heute, Mittwoch, feiert der neue "Bräunerhof" seine Wiedereröffnung.
Seit Herbst wurde das denkmalgeschützte Kaffeehaus umfassend renoviert. Vier Millionen Euro investierten die neuen Betreiber in die Sanierung. Das Lokal sollte seinen Charme behalten – und trotzdem in der Gegenwart ankommen. Sitzgelegenheiten (neue Polsterungen), Tische und Lampen wurden daher nur sanft renoviert, das Grunddesign blieb erhalten. Die Fassade erhielt einen neuen Anstrich, der Gastgarten wurde vergrößert.
Gleichzeitig hielten auch moderne Elemente Einzug: Fernwärme, Klimaanlage, WLAN und Steckdosen gehören nun zur Ausstattung. Künftig kann außerdem mit Karte oder Handy bezahlt werden. Geschichte ist hingegen die alte Belegschaft – sie wurde vollständig ausgewechselt. Rund 30 Mitarbeiter kümmern sich jetzt um die Gäste.
Auf der Speisekarte finden sich altbekannte Klassiker wie Schnitzel, Knödel mit Ei, Eiernockerl, Suppentopf, Sacherwürstel, Schinkenrolle und Toast. Ergänzt wird das Angebot durch vegane und internationale Gerichte. Auch die Preise wurden angepasst. Geöffnet hat das Kaffeehaus täglich von 8 bis 22.30 Uhr.
Für Aufsehen sorgte im Vorfeld der Wiedereröffnung die Protestaktion von Wiener Kunst-Studenten. Auf einem Foto posieren mehrere junge Männer mit einem Bild, das über Jahre zu den markantesten Merkmalen des Cafés zählte. Wie "Heute" berichtete, wollten die "Kunst-Rebellen" damit gegen die Übernahme des "Bräunerhofs" mobil und auf den drohenden Verlust der kulturellen Identität des Cafés aufmerksam machen.