In den letzten drei Wochen war der Name Gil Ofarim (43) wieder in aller Munde. Der Musiker hatte sich 2021 als Opfer eines antisemitischen Vorfalls in einem Leipziger Hotel präsentiert.
Erst zwei Jahre später gab er vor Gericht zu, dass die Anschuldigungen nicht der Wahrheit entsprachen. Trotzdem holte er sich – für viele überraschend – die Dschungelkrone bei RTL und damit 100.000 Euro Preisgeld.
Während sich der Skandal-Sänger nun auf einer neuen Erfolgswelle befindet, war der bisherige Leidtragende des Davidstern-Skandals bisher still – bis jetzt.
Im Gespräch mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" hat Markus W., so der Name des Hotelangestellten, erstmals seine Sicht der Dinge geschildert. Durch Ofarims falsche Vorwürfe war er über längere Zeit massiven Anfeindungen ausgesetzt. Der Sieg des 43-Jährigen beim Dschungelcamp und dessen Verhalten dort waren für ihn der Auslöser, endlich das Schweigen zu brechen.
Die Sendung selbst habe er zwar nicht aktiv verfolgt, aber eines sei ihm klar: Ofarim "inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich", so Markus W. wörtlich. Es sei für ihn "sehr befremdlich, es ärgert mich massiv, und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?"
Besonders stört ihn, dass der Sender dem Sänger so eine Bühne gibt. Das bereite ihm Sorgen, "denn es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung dieses Falles wieder kippt". Im Interview erinnert Markus W. daran, was die Falschaussage für ihn bedeutete: Er erhielt sogar eine Morddrohung per E-Mail, und aus Angst, auf Fotos lachend oder feiernd zu sein, meidet er seitdem private Feste. Haben die RTL-Zuschauer Ofarim mit dem Telefonvoting tatsächlich Absolution erteilt?
Markus W. äußert sich auch zu Aussagen, die Ofarim während des Dschungelcamps gemacht hatte. So zeigte er sich "fassungslos" über die Behauptung, bei den Aufnahmen der Überwachungskameras hätte es Unstimmigkeiten gegeben. "Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen", betont er.
Auch beim Thema Verschwiegenheitserklärung widerspricht Markus W. dem frischgebackenen Dschungelkönig deutlich. Der 43-Jährige hätte sehr wohl "über die Vorgänge in der Lobby sprechen" dürfen. Die Unterlassungserklärung verbiete ihm nur zu behaupten, "dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidsternkette des Hotels verwiesen hätte. Und er darf auch keine ähnlichen Aussagen tätigen, die andeuten, dass eine antisemitische Äußerung stattgefunden habe. Das ist alles."