Vier Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya wird das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher: Die Zahl der Todesopfer ist allein in Nepal auf 626 gestiegen. Mehr als 2.400 Menschen werden noch vermisst. Auch China meldet sieben Tote und über 550 Vermisste in Tibet.
Die Flutwelle hat nicht nur Häuser zerstört, sondern ganze Familien ausgelöscht. Überall in den betroffenen Gebieten liegen noch immer Leichen am Flussufer. Viele Tote wurden bislang nicht geborgen.
"Es ist niemand mehr zum Weinen da", sagt Rishi Pyakurel (50), der im Dorf Gerkhu als eine Art Bürgermeister gilt, nach Angaben von BILD. Er hat über 140 seiner Leute im Dorf verloren - darunter seine eigene Schwester, deren Mann und deren Sohn mit Ehefrau. Alle lebten im Ort Trishuli Bazar, der von der Flut besonders hart getroffen wurde.
Dabei hatte es Warnungen gegeben. Doch viele Menschen versuchten zunächst, ihre Häuser zu sichern oder Wertsachen mitzunehmen. "Manche machten Selfies, wie das Wasser stieg. Aber dann kam die Flut", berichtet Pyakurel. Die Wassermassen türmten sich stellenweise 20 bis 30 Meter über dem Flussbett auf.
Aus Angst vor einer weiteren Katastrophe fliehen jetzt viele Familien in die Berge. Ein aufgestauter See in der Region könnte im Fall weiterer Gletscherschmelze überlaufen. Auf Bergkuppen und an Straßenrändern warten Menschen ab, wie sich die Lage entwickelt.
Die Armee setzt derzeit 14 Hubschrauber ein, um Verletzte und Überlebende aus den betroffenen Gebieten zu holen. Durch abgelagerten Schlamm ist das Landen jedoch extrem schwierig. Zudem sitzen noch immer Menschen in Tunneln im Gebirge fest.