Drei Tage nach der schweren Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Todesopfer weiter an. Laut nepalesischer Polizei wurden bis Samstag bereits 616 Tote gefunden. Am Freitag war noch von 586 Todesopfern in Nepal die Rede. Aus Tibet, das zu China gehört, wurden bisher sieben Tote gemeldet. Damit liegt die Zahl der bestätigten Opfer bei mindestens 623.
Im Katastrophengebiet geht die Suche nach Verschütteten weiter. Die Einsatzkräfte in Nepal und der autonomen Region Tibet suchen noch immer nach mehr als 2.400 Vermissten. Die schwierigen Bedingungen machen die Rettungsarbeiten aber besonders mühsam. Der schlammige Boden und die Gefahr weiterer Überflutungen erschweren alles zusätzlich.
Viele Überlebende stehen vor dem Nichts. Sie haben nicht nur Angehörige, sondern auch ihr gesamtes Hab und Gut verloren. "Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt", schilderte Buddhi Ram Dangol der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist nichts mehr übrig."
Ausgelöst wurde die Katastrophe am Mittwoch durch eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll, die das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet überrollte und ganze Ortschaften zerstörte. Laut dem geologischen Dienst der USA war der Auslöser ein abbrechender Gletscher.
Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt, dass rund 93.000 Menschen von der Katastrophe betroffen sein könnten. Zu den mehr als 1.900 Vermissten in Nepal zählen auch 517 Ausländer. Laut nepalesischer Tourismusbehörde sind darunter mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach am Freitag von einer "hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten".