Der Arbeitsmarkt in Oberösterreich zeigt eine ungewöhnliche Entwicklung: Erstmals sind mehr Frauen als Männer arbeitslos. Insgesamt waren im August 39.324 Personen beim AMS arbeitslos gemeldet, darunter 19.810 Frauen.
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen um 1.346 Personen oder 7,3 Prozent. Bei den Männern betrug der Anstieg hingegen nur ein Prozent.
"Die Frauenarbeitslosigkeit beobachten wir mittlerweile über Monate – mittlerweile haben wir tatsächlich mehr arbeitslose Frauen als Männer in Oberösterreich, das ist eigentlich untypisch für unseren Wirtschaftsstandort", sagt AMS-Landesgeschäftsführerin Iris Schmidt im ORF.
Besonders schwierig ist die Situation für Frauen zwischen 60 und knapp unter 65 Jahren. "Hier haben wir eine Arbeitslosigkeit von 34 Prozent – das ist mit Abstand der höchste Wert. Und besonders diese Frauen haben es schwer, noch in den Arbeitsmarkt zu kommen."
Ein Grund für die Entwicklung liegt laut AMS im Handel. Viele Frauen arbeiten etwa im Textil-, Elektro- und Möbelhandel, der stark mit dem Online-Handel konkurriert..
"Und genau in diesem Bereich sind auch viele Frauen beschäftigt. Schließen nun die Geschäfte, so wird es für sie umso schwieriger, in einem anderen Bereich des Handels einen Job zu bekommen", erklärt Schmidt im ORF.
Trotzdem bleibt Oberösterreich im Bundesländervergleich relativ gut aufgestellt. Die Arbeitslosenquote lag im August bei 5,3 Prozent. Damit belegt das Bundesland hinter Tirol und Salzburg den drittbesten Platz.
Auch bei den offenen Stellen gibt es Bewegung: 20.765 Jobs waren im August beim AMS gemeldet. "Das Angebot an offenen Stellen liegt um 7,3 Prozent über dem Vorjahr", so Schmidt. Chancen gibt es demnach besonders für Menschen mit niedriger Qualifikation oder technischen Abschlüssen.
Deutlich gestiegen ist allerdings auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. 11.560 Menschen waren davon betroffen, ein Plus von 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sieht trotz der wirtschaftlichen Lage weiterhin "starke Substanz" in Oberösterreich. "Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen."
SPÖ-Arbeitsmarktsprecher Hans Karl Schaller fordert hingegen Maßnahmen gegen die steigende Frauenarbeitslosigkeit. "Wenn Frauen erstmals die Mehrheit unter den Arbeitslosen stellen, darf die schwarz-blaue Landesregierung nicht länger zusehen", so Schaller.
Auch die Grünen fordern Initiativen für arbeitssuchende Frauen und Langzeitarbeitslose. Arbeitsmarktsprecherin Brigitte Huber-Reiter warnt zudem vor den Folgen für ältere Arbeitslose.