Fast jeder kennt jemanden, der schon einmal mehr oder weniger viel Geld an Betrüger verloren hat. Tatort Nummer 1 ist heutzutage das Internet. Obwohl lang und breit darüber aufgeklärt wird, gibt es Tag für Tag unzählige Fälle alleine in Österreich. Dabei trifft es nicht nur wenig technikaffine Ältere, sondern auch bereits jüngere Menschen. Denn die Methoden werden immer ausgeklügelter.
Im "Ö1-Morgenjournal" wird am Montag von einer neuen Masche gesprochen, die sich wohl noch am besten als Crypto-Love-Scam beschreiben lassen würde – eine Mischung aus Investmentbetrug und Partnervermittlungsbetrug. Opfern wird dabei in Dating-Plattform die große Liebe vorgegaukelt, um durch das gewonnene Vertrauen ein Investieren in betrügerische Crypto-Plattformen zu erreichen.
Louise Beltzung und ihre Kollegen von "Watchlist Internet" haben sich Fake-Profile auf Tinder und Grindr angelegt, um das Vorgehen der Betrüger aufzudecken. Die ersten beißen schnell an, melden sich bereits vom Aufstehen an und über den kompletten Tag verteilt bei ihren Opfern, gaukeln Interesse vor, fragen nach dem Wohlbefinden. "Es ist eine sehr intensive Kontaktaufnahme", erzählt Beltzung.
Fotos oder Videocalls gab es keine, durch das Vermeiden von klaren Neins wollen sich die Betrüger nicht verdächtig machen. "Es war so ein: 'Wir können uns gerne treffen, aber mir ist besonders wichtig, dass wir uns besser kennen lernen'." Nicht von Anfang an, sondern erst später wird erzählt, das eigene Leben werde als Investor finanziert und angeboten, dem Opfer als neuer Bekanntschaft dabei zu helfen.
Nur 300 oder 500 Euro werden zu Beginn auf gefälschten Investment-Plattformen eingezahlt, dort dann wenig später erste Gewinne angezeigt. "Am Anfang werden kleine Beträge auch ausbezahlt. Das heißt, es wird dieses Gefühl bestärkt, dass es sich nicht um Betrug handelt und man am richtigen Weg ist."
So werden die Einzahlungen nach und nach immer höher, die Schadensummen gehen dabei teilweise in die hunderttausende Euro. Die Steigerungskurve sei mit anderen Maschen nicht vergleichbar. Erst, wenn kein Geld mehr da ist, lassen die Täter von ihren Opfern ab.